TEST: Isophon EuropaII - Neue Klangdimension in der Highendklasse ? (2/2)
18.11.2005 (lm)
Technischer Aufbau / Konstruktionsdetails
Leser, die bereits unseren Test der Vieta
gelesen haben, brauchen sich auf
keine Überraschungen einstellen. Da die EuropaII sozusagen der Technologieträger
ihrer kleineren Schwester darstellt, kommt auch hier diesselbe Grundphilosophie
zum Einsatz, die jedoch an manchen Stellen noch etwas aufwändiger umgesetzt
wird.

Entwickler Dr. Roland Gauder (Doktor der Physik) begegnet dem Boxenbau
prinzipiell sehr wissenschaftlich. Bevor der erste Lötpunkt gesetzt wird, tüftelt
er in aufwändigen Rechenoperationen und computergestützten Simulationen die
idealen Parameter und Lösungen für seine Lautsprecher-Projekte aus. Obwohl
die EuropaII schon seit mehreren Jahren auf dem Markt ist, gilt beispielsweise
die dort eingesetzte Frequenzweichentechnik nach wie vor als Ausnahmeerscheinung
der gesamten Branche. Mit ca. 50dB Flankensteilheit (üblicher Wert bei
anderen Lautsprechern ca. 24db/Oktave) hat Herr Dr. Gauder eine Lösung
realisiert, Chassiskonzepte wie bei der EuropaII, wirksam zu verbessern: mehrere
kleinere Membranen können dank dieser Technik extrem sauber voneinander
getrennt, angesteuert werden, so dass klangschädigende Überlappungsbereiche
bis zur Unbedeutsamkeit eleminiert werden können. Mit dieser Technik im
Hintergrund können nun einzelne Membranen gezielt bestimmte Freequenzbereiche
wiedergeben, was die Sauberkeit des Klangbildes deutlich verbessert.
Aus einem ähnlichen Grund besitzt die EuropaII auch ihren seitlichen Mitteltöner,
der ausschließlich zur Aufgabe hat, bei den auslenkungsintensiven Frequenzen
zwischen 150 und 300Hz den beiden vorderen Mitteltönern unter die Arme zu
greifen - und dabei mehr als die Hälfte der Arbeit übernimmt. So ist
gleichermaßen dafür gesorgt, dass sowohl die so wichtige Mittendarstellung
sauber klingt, als auch die Realisierung möglichst großer Membranflächen für
hohe Pegel. Die seitliche Anordnung des einen Mitteltöners erfolgte zur
Verbesserung der Energieausnutzung (unter Einbeziehung des Raumes zwischen den
Boxen) bei der Abstrahlung - zumal in diesen niedrigen Frequenzbereichen
aufgrund der kugelförmigen Schallausbreitung keine klanglichen Einbußen
vorhanden sind.

Damit das akustische Zentrum trotzdem möglichst exakt lokalisierbar ist,
werden die höheren Frequenzen über den obersten Mitteltöner ausgegeben, der
durch die nahe Lage zum Hochtöner für eine nahtlose Anbindung des
Klanggeschehens bis in die obersten Frequenzen sorgt. Doch damit nicht genug.
Eine separate Platine sorgt dafür, dass zeitliche Differenzen innerhalb der
Ansteuerung der verschiedenen Chassis ausgeglichen werden und somit selbst
komplex aufgebaute Musik absolut sauber und frei von
Laufzeitunterschieden/Ungenauigkeiten das Ohr des Zuhörer erfreut.
Die (Tief) Bass-Sektion verfügt ebenfalls über interessante Eigenschaften,
die sich vom Großteil des Marktes abgrenzen. Die übliche Methode mit direkt
an den Raum abstrahlenden Bass-Chassis wurde zugunsten einer Band-Pass
Konstruktion ersetzt. Dabei werkeln die Tieftöner im Bandpass-System auf ein
vorher bekanntes Volumen. Deswegen ist sowohl der Frequenzgang als auch das
Zeitverhalten eindeutig berechenbar, und soll laut Isophon einen lineareren
Frequenzgang als bei anderen Konzepten ermöglichen. Dazu kommt noch, dass
Raummoden bzw. Druckeffekte im Gegenzug ebenfalls nicht direkt auf die Membranen
einwirken können und eine Minderung der Dröhnneigung eintritt. Weiterhin benötigt
die Frequenzweiche für die Ansteuerung der Tieftöner keine extrem großen
Spulen, die wegen großer Induktivitäten Laufzeitunterschiede verursachen würden.
Das Band-Pass System ist daher in der Lage, die tiefen Frequenzen deutlich
weniger zeitverzögert – und deswegen zeitnah zu den anderen Frequenzanteilen
eines Geräusches – oder Instrumentes - abzugeben. Auch wenn es hier nur um
wenige Millisekunden geht, so sind solche Fähigkeiten maßgeblich in der Lage,
für eine authentischere Klangabbildung, bekannter Geräusche, zu sorgen. Der
Band-Pass übernimmt alle Frequenzen unterhalb 150Hz und kommt mit einem -3db
Punkt von ca. 33Hz bereits in Regionen ausgewachsener Subwoofer, was den absoluten
Tiefbass-Bereich betrifft.

Die EuropaII im Querschnitt. Hier nun noch einmal in Stichworten alle wichtigen
technischen Features:
1.) geschlossene Kammer
2.) Dämmmaterial
3.) Frequenzweiche für Mitten und Höhen
4.) 9 '' Woofer für Basswiedergabe (1)
5.) offene Kammer 1
6.) Magami Kabel
7.) Clearwater Kabel
8.) offene Kammer 2
9.) 9'' Woofer für Basswiedergabe (2)
10.) Tri-Wiring WBT Terminal
11.) extra verstärkter Boden inkl. Masseschiene mit hoher Dämpfung
12.) Frequenzweiche für Woofer
13.) geschlossene Kammer
14.) Öffnung auf der Vorderseite für Kammer (1)
15.) Öffnung auf der Vorderseite für Kammer (2)
16.) seitlicher 4 '' Mitteltöner
17.) geschlossene Kammer
18.) vorderer 4 '' Mitteltöner (1)
19.) vorderer 4 '' Mitteltöner (2)
20.) Straight Wire Kabel
21.) Hochtöner mit Gewebekalotte Größe 1 ''
22.) geschlossene Kammer
23.) Zeitkorrektur-Platine (Time Correction Circuit)
Fazit:
Wo andere Hersteller mit Design-Experimenten, klangvollen Namen oder
Marketing-Features auf Kundensuche gehen, scheut sich Hr. Dr. Gauder nicht, auch
bei verborgenen technischen Details, alles zu tun, damit jede Note so klingt,
wie sie auf dem Tonträger enthalten ist. Im Vergleich zur Vieta, bietet die
EuropaII durch größere Bass-Chassis und einen weiteren Mitteltöner nicht
einfach nur mehr Materialeinsatz, sondern rechtfertigt ihren Mehrpreis durch
eine konsequent auf Klangsteigerung ausgelegte Konzeption. Für den hier
gezeigten, hohen technischen Aufwand geben wir die volle Punktzahl und wünschen
uns, dass auch andere Hersteller die hier gezeigte Sorgfalt, weniger in
Marketing, sondern in die technische Entwicklung ihrer Schallwandler stecken.
Bewertung:      
Testumgebung sowie Elektronikempfehlung:
Die reinen technischen Herstellerangaben von 300 Watt Sinusbelastbarkeit bei
6 Ohm täuschen leider schnell darüber hinweg, dass es bei der EuropaII mit
ihrem Band-Pass System und den aufwändigen Frequenzweichen darauf ankommt,
besonders hochwertige und gleichzeitig kraftvolle Elektronik einzusetzen. Ein
weitere Grund dafür ist der daraus resultierende relativ niedrige Wirkungsgrad
von ca. 86 db/Watt, so dass besonders bei hohen Pegeln und basslastigen Signalen
die Endstufe nie kraftvoll genug sein kann. Selbst unser Audionet Amp1 (ca. 4000
€ / 2x 300Watt bei 4 Ohm) musste bei manchen dynamischen Tracks der Erich
Kunzel CD "Fantasy Epics" die Schutzschaltung aktivieren. Weitere,
testweise eingesetzte Endstufen wie die Vincent SP993 (2300 €/ 2x400Watt bei 4
Ohm) oder die Rotel RMB-1090 (2500 €/ 2x700Watt bei 4 Ohm) schalteten früher
ab und finden zudem an, vorher unsauber zu spielen. Für extreme Pegelfreunde
empfehlen wir daher in 2 Endstufen für Bi-Amping zu investieren. Selbstverständlich
macht die EuropaII auch mit einer einzelnen Stereo-Endstufe jede Menge Spaß -
fast schon zu viel Spaß, denn die ungemeine Transparenz und Unbeschwertheit des
Klangbildes verleitet oft dazu, nach und nach den Pegel immer weiter
hochzufahren. Unterhalb extremster Pegel ist man deswegen mit der Audionet, aber
auch der Rotel Endstufe trotzdem sehr gut bedient, da beide über hohe
Basskontrolle verfügen, wobei die RC-1090 von Rotel schon merklich schlanker
klingt, und sich der Amp1 von Audionet nicht scheut auch mal kräftig Energie
auf die Bass-Chassis zu geben, wenn es auf der Quelle enthalten ist.
Eher abraten würden wir von der Kombination mit der angesprochenen Vincent
SP-993 Endstufe, die zwar durchaus durch ihre "warme" Klangcharakteristik
viele Freunde hat, aber mit der EuropaII zumindest in unseren Hörraum untenherum
zu dick und unsauber aufspielte, und in den Höhen den Detailreichtum der
Audionet vermissen ließ. Technisch ist es natürlich möglich, auch einen
Mittelklasse-AV-Receiver mit den Europas zu kombinieren, doch abgesehen von den
zu schwachen Endstufen können solche AV-Receiver auch seitens der Vorstufe
nicht das Niveau bieten, um die Isophon Lautsprecher auch nur ansatzweise
auszunutzen.
Überhaupt stellen wir sehr oft fest, dass die Wirkung der Vorstufe in Bezug
auf die Stereo Qualitäten bei hochwertigen Schallwandlern oftmals unterschätzt
wird. Wo ein 700 € Lautsprecher wie die Monitor Audio Silver RS-8
mit einem Marantz SR-9600 (ca. 3500 €)
ein schlagkräftiges, harmonisches Team bildet, unterfordern selbst sehr
hochwertige Surround-Receiver wie der Onkyo TX-NR5000E
(ca. 5500 €) solche Boxen wie die EuropaII. Im Vergleich mit einer
Audionet MapV2 mit EPS Modul (Vorstufe ca. 7700 Euro) kann kein uns bekannter
AV-"Bolide" auch nur ansatzweise die selbe Lebendigkeit und Natürlichkeit
der Musik bietet, oftmals wurden damit bislang begleitende Instrumente aus der
akustischen Versenkung geholt und bereicherten das Klangbild durch eine
insgesamt facettenreichere, mitreißendere Wiedergabe. Besonders das Loslösen
der Musik vom Lautsprecher bedarf neben einer hervorragenden Endstufe auch eine
exakt spielende Vorstufe mitsamt adäquaten Quellgeräten, die Details weder
verschlucken, noch minimal verändern. Hierbei reicht es unserer Meinung nach
nicht, einen günstigen DVD Player der 1000 €-Klasse digital an eine MapV2
Vorstufe anzuschließen, denn auch das Laufwerk mitsamt dem gesamten
Ausleseverfahren hat einen maßgeblichen Anteil an dem späteren Gesamtergebnis.
Verstehen Sie uns bitte nicht falsch: bereits in einem Mittelklasse-System
klingt die EuropaII bereits ausgezeichnet und vermag Ihren Besitzer zu
begeistern. Doch wir finden es erstrebenswert, bei einem Lautsprecher, der solch
herausragendes Potential besitzt, dieses auch zum größtmöglichen Teil
abzurufen. Hierzu gehört jedoch auch die Raumakustik, welche leider in den
meisten Fällen völlig untergeordnet behandelt wird. Wenn Sie sich dazu
entschließen sollten, einen der deutschlandweit 18 Isophon-Fachhändler
aufzusuchen, möchten wir Ihnen ans Herz bzw. Ohr legen, sich nicht nur über
Lautsprecher und Elektronik zu informieren, sondern auch über die Optimierung
der Raumakustik. Die EuropaII kann dann nämlich erst ihr volles Potential entfalten
und restlos begeistern.
Unsere Testumgebung im Überblick:
- Vorstufen: Rotel RC-1090, Audionet MapV2 mit EPS Modul
- Endstufen: Rotel RB-1090, Audionet Amp1, Vincent SP993
(AV/Stereo) Receiver: Onkyo TX-NR5000E, Marantz SR-9600, Marantz
PM15-S1
- Quellgeräte: Denon DVD 3910, Onkyo DV-SP1000E (beides DVD Player), Audionet
Art V2 (CD-Player)
-
Raum: ca. 25m² akustisch optimiert durch RTFS Wallpanels und Cornerblöcke
-
alle abgebildeten Lautsprecherständer sowie HiFi-Racks sind von der Firma Spectral
Klang
Die Faszination, die von diesem Schallwandler ausgeht, ist nur schwer mit
ausschließlich nüchternen Worten zu vermitteln. Wir wir bereits im 7.0-Surround-Test
angedeutet haben, besticht die EuropaII durch gleichzeitig ehrliche, aber
dennoch nie emotionsarme Darbietung, wie es besonders in dieser
Lautsprecher-Klasse nicht selten der Fall ist. Die - ohne Frage - vorzügliche KEF
Reference 205 strahlt beispielsweise, trotz aller Qualitäten im
Hochtonbereich, kein solch mitreißendes und begeisterndes Feeling aus. Unserer
Meinung nach haben vor allem zwei Eigenschaften der EuropaII großen Anteil
daran: Einerseits ist dieser Lautsprecher in der Lage, sehr dynamisch
aufzuspielen, und zusätzlich besticht die Darbietung insgesamt durch eine außerordentlich
hohe Räumlichkeit, die verschiedenen Instrumente fast schon greifbar im Hörraum
platziert. Dabei verfällt die EuropaII jedoch glücklicherweise nicht der
Eigenart, das musikalische Geschehen auf einzelne Instrumente/Sänger zu
sezieren, sondern verbindet selbst komplex aufgebaute Musik zu einem
ganzheitlichem harmonischen Ereignis. Entgegen der vorherrschenden Meinung
bedarf es nicht erst einer perfekt aufgenommenen ausgewählten Klassik-CDs, um
von diesen Vorteilen hörbar zu profitieren, denn bereits mit Filmsoundtracks
wie zu Star Wars EpisodeIII, bedankt sich die EuropaII bei Ihrem Besitzer und
zaubert ein ungemein stabiles, klar strukturiertes, und dennoch lebendiges
Klangbild in den Hörraum. Um gleich bei dieser CD zu bleiben: Die Star Wars-typischen
Fanfaren bzw. Trompetenklänge präsentieren in beeindruckender Manier, dass
ebenfalls besonders der Hochtonbereich gegenüber günstigeren Lautsprechern
punkten kann. So sehr eine Box wie die Quadral
Platinum (ca. 1800 €/Stück) in Bezug auf ihre Preisklasse auch (zurecht)
gelobt wird, so demonstriert die EuropaII, dass auf der Suche nach einer
atmosphärisch dichten, absolut mitreißenden Abbildung nochmals eine deutliche
Steigerung möglich ist. Diese Beobachtung bezieht sich übrigens nicht nur
speziell auf diese beiden Modelle.
Es ist typischerweise so, dass generell im High-End Bereich
(sowohl Lautsprecher als auch Elektronik), eine deutlich bessere Feinauflösung/Detaillierung
im hohen Frequenzbereich zu vernehmen ist. Oftmals sind dafür günstigere
Offerten von Haus aus mit einer intensiveren Bass-Umsetzung gesegnet, so dass
hochpreisige Schallwandler oftmals mit dem Vorurteil zu kämpfen haben, eher für
audiophile/feingeistige "Gourmets", als für Freunde einer eher auf
Effekt- und Spaß betonten Wiedergabe, gemacht zu sein. Entsprechende Beispiele
wären neben der bisher bereits genannten KEF Reference 205 auch viele
Elektronik Komponenten von Rotel, während z.B. die
Nubert nuWave 125, CS-65 für 965 Euro oder ein Pioneer VSA-AX10Ai-S
für rund 5.000 € für eine Modell-Philosophie Pate stehen, die besonders den
Bassfreunden sehr entgegenkommt. Die Isophon EuropaII gefällt uns genau
deswegen so gut, weil sie aus der Tradition vieler Ihrer High-End Kollegen
ausbricht, gleichzeitig aber im Bereich der Detail- und der Bass-Wiedergabe mit
den allerbesten Noten aufwarten kann. Der innenliegende Band-Pass erlaubt es der
EuropaII nicht nur in der Theorie, tief hinab in den Frequenzkeller zu
steigen, sondern sorgt auch beim Hören für ein kräftiges, unerschütterliches
Bass-Fundament, an der sich selbst Bass-Könner wie die NuWave125 vergeblich die
Zähne ausbeißen. Herr Dr. Gauder hat nicht nur das Kunststück geschafft, die
EuropaII bis an die 30Hz linear spielen zu lassen, Nein - gleichzeitig überzeugt
seine Konstruktion auch mit vorbildlicher Präzision und absoluter
Gelassenheit.
Mit Speed-Metal vom neuesten Chimaira Album brachten wir die
EuropaII genauso wenig in Bedrängnis wie mit hämmernden Techno-Beats. Der
extrem straffe, konturierte Bass überflügelt dabei übrigens auch ihre
kleinere Schwester, die Isophon Vieta.
Insbesondere die Fähigkeit, Kickbässe noch ungefilterter und unvermittelter
umzusetzen, lässt die EuropaII als ungemein souverän aufspielende Box
erscheinen. Und obwohl die Vieta in unserem Test bereits aufgrund außerordentlicher
Leistungen den Referenz-Status einheimste, wird sie von der EuropaII auch in
Punkto Stimmdarstellung überflügelt. Ob nun Tori Amos oder Tom Jones: jeder
Interpret würde sich glücklich schätzen, wenn er bei seinen Fans über eine
EuropaII Einzug in die Wohnung erhalten würde. Es ist eine besondere (und
leider viel zu seltene Gabe), dass ein Lautsprecher gleichzeitig in der Lage
ist, die charismatischen Stimmen weiblicher Soul-Sängerinnen, aber auch
markante, kräftige Männerstimmen mit Hingabe und authentischer Abbildung zum
Auditorium zu transportieren. Insgesamt spielt die EuropaII nochmals etwas
souveräner und lockerer auf, wobei uns im direkten Vergleich auch aufgefallen
ist, dass die Vieta im Hochtonbereich etwas präsenter wirkt.
Laut Herrn Dr. Gauder liegt dies daran, dass Vieta und EuropaII
für unterschiedliche Raumgrößen konzipiert sind, und die EuropaII im Hinblick
für die meist entsprechend größeren, jedoch halligeren Räume etwas sanfter
abgestimmt wurde. Die Vieta hingegen (genauso wie übrigens auch der
Regallautsprecher Galileo) sollen auch in eher kleineren bzw. stärker bedämpften
Lokalitäten frisch und klar klingen, so dass hier tendenziell eher eine leicht
vorgehobene Hochtönerabstimmung vorgenommen wurde. Zusammen mit der absolut
souveränen Kraftentfaltung wirkt die EuropaII daher wie ein großer 12 Zylinder
PKW-Motor, der bei Bedarf zwar ungeahnte Kräfte freisetzen kann, aber am
liebsten durch seine Harmonie und kultivierte Vorgehensweise beeindruckt. Auf
Wunsch übrigens fertigt Isophon die EuropaII auch ohne die ca. 0,5 db Absenkung
- doch sollten Sie wissen, dass die ursprüngliche Klangcharakteristik sich in
unseren Tests auch in kleinen Räumen sehr bewährt hat und gleichzeitig eine
hohe Detailauflösung bei einer niemals zu forschen oder gar zu aggressiven
Spielweise bieten konnte.

Die großen Allround-Talente machen die EuropaII auch in einer
Heimkino-Umgebung zu einer begehrenswerten Komponente. Der hier abgebildete
Center Isophon Solaris (3000 Euro) passt akustisch hervorragend zu den beiden
großen Standlautsprechern. Mehr Informationen über das komplette 7.0 Isophon
Heimkino-Set finden Sie übrigens in unserem Test
des Isophon 7.0-Surround-Sets (Europa II, Solaris, Galileo) vom
August. Bilanzierend möchten wir in Bezug auf die Stereo-Qualitäten der
EuropaII noch bemerken, dass keine Einzelauflistung und auch kein noch so
umfangreicher Testbericht der Faszination dieses Schallwandlers gerecht werden
kann - und ganz besonders in dieser Preisklasse ausführliche Hör-Sessions
sowieso selbstverständlich und unumgänglich vor dem Kauf sind. Wenn dann die
Entscheidung für ein Paar EuropaII gefallen sein sollte (was wir durchaus für
realistisch halten), richten Sie sich darauf ein, der Aufstellung sehr große
Beachtung zu schenken. Mehr noch als bei anderen Lautsprechern können einige
Zentimeter Unterschied nochmals große Verbesserungen bewirken. Ganz besonders
das Anwinkeln der Front auf den Hörplatz erfordert zwar einige Mühe, belohnt
dann aber mit phantastischer Weitläufigkeit bei dennoch klarer Ortung der
einzelnen Instrumente bzw. Stimmen.
Fazit
Schon zum dritten Mal müssen wir am Ende unserer Tests einer Isophon-Box
hervorragende Qualitäten bescheinigen. Dass die kleine Firma aus dem
Schwabenland so erfolgreich abschneidet, ist zwar zum großen Teil durch die außerordentlichen
klanglichen Leistungen zu begründen, doch auch abseits rein akustischer Aspekte
bringt Isophon alles Wichtige zusammen: hochwertige Verarbeitung, fast
beispiellose Auswahl an Oberflächenvarianten, 10 Jahre Garantie - und nicht
zuletzt ein dafür angemessener Preis unterstreichen die Attraktivität dieser
Lautsprecher. Die EuropaII im Speziellen wird zwar nicht als dezenteste bzw.
wohnraumkompatibelste Box in die Lautsprecher-Historie eingehen, doch in
klanglicher Hinsicht hat sie sich bereits in ihren ca. 3 Jahren als feste Größe
im internationalen HiFi-Business etabliert. Zurecht - wie unser Test zeigte. Die
EuropaII bleibt sogar der deutlich teureren JBL K2 S5800
auf den Fersen und wer für die preisliche Differenz in sehr hochwertige
Elektronik investiert, kann sogar vollends in die allerhöchsten Klangsphären
eintauchen. Paradoxerweise liegt genau hier aber auch der Haupt-Nachteil dieser
Box: im Vergleich zu den meisten Ihrer Kollegen ist die EuropaII deutlich mehr
auf adäquate Zuspielung angewiesen, um Ihre Vorteile voll zur Geltung bringen
zu können. Selbst mit einem guten 1500 € Stereo-Vollverstärker, wie dem
Marantz PM15S1 ist die EuropaII noch lange nicht auf dem Zenit ihrer Leistungsfähigkeit.
Unserer Meinung nach sollten die Glücklichen, die ihr Hobby mit einer EuropaII
frönen können, auch (zumindest langfristig) nicht davor zurückschrecken, ähnliche
Betrage noch einmal in CD-Spieler, Vor- und Endstufe zu investieren. Doch nicht
nur Stereo-Liebhaber werden Gefallen an der EuropaII finden - durch
Erweiterbarkeit auf ein formidables Surround-System kann man mit diesem
Lautsprecher auch den Grundstock für eines der weltweit besten Mehrkanal-Sets
bilden. Unsere "Masterpiece" Wertung erhält die EuropaII schlussendlich
deshalb, weil sie wie schon die Vieta ihre direkten Konkurrenten deutlich hinter
sich lassen kann und zusätzlich noch in der Lage ist, manchen Schallwandlern
aus der über 10.000 €-Klasse (pro Stück) Paroli zu bieten, und dabei
vornehmlich nur durch noch höhere Pegelfestigkeit bzw. weniger stromzehrende
Konzeptionen aufgehalten werden kann.
Und an all diejenigen, die diesen Test zwar mit Interesse, aber auch mit
etwas Wehmut ob des hohen Preis gelesen haben: Wir freuen uns, schon in wenigen
Wochen mit dem Test einer weiteren, dieses Mal mit jedoch nur 1500 € deutlich
günstigeren "Corvara"- Isophon-Standbox vielleicht auch eine
Alternative in der Mittelklasse vorstellen zu können. Wenn dieser Schallwandler
auch nur ähnliche Qualitäten wie die EuropaII aufweist, dürfen wir uns auf
eine äußerst attraktive Offerte freuen.
Die EuropaII widmet sich jeder musikalischen Herausforderung
mit Bravour und zieht auch den sehr erfahrenen Anwender vollkommen in ihren Bann

Masterpiece Standlautsprecher Highend-Klasse
Test 21. November 2005
Preis-/Leistungsverhältnis:      
+ akustisch höchst beeindruckende Leistungen, die weit über
dem üblichen Niveau dieser Klasse liegen
+ straffe und tiefe Bass-Wiedergabe
+ technisch sehr aufwändige Umsetzung
+ Gehäuseverarbeitung und Materialauswahl auf sehr hohem Niveau
+ 10 Jahre Garantie und vielfältige Erweiterungsmöglichkeiten zum Surround-Set
- hohe Ansprüche an alle Faktoren der Zuspielung, leistungsstarke Endstufen
sehr ratsam.
- große Ausmaße und konservative Gehäuseform
Die technischen Daten im Überblick:
-
Preis pro Stück von 3849 bis 5039 €
Tieftöner: 2x 225mm
Mitteltöner: 3 x 120mm
Hochtöner: 1x 25mm
Basprinzip: Doppelbandpass, einzeln ventiliert, hochpassgefiltert
Trennfrequnz: 140 / 3400 Hz
Impedanz: 6 Ohm
Sinusbelastbarkeit: 300 Watt
Impulsbelastbarkeit: 560 Watt
Höhe: 122,0 cm
Breite: 25,0 cm
Tiefe: 46,0 cm
Gewicht: 56 kg
Test: Lars Mette
21.11.2005
Zurück zu Seite 1
HOME
> HARDWARE-TESTS > ZURÜCK
<
|