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TEST: Isophon EuropaII - Neue Klangdimension in der Highendklasse ? (2/2)

18.11.2005 (lm)

Technischer Aufbau / Konstruktionsdetails

Leser, die bereits unseren Test der Vieta gelesen haben, brauchen sich auf keine Überraschungen einstellen. Da die EuropaII sozusagen der Technologieträger ihrer kleineren Schwester darstellt, kommt auch hier diesselbe Grundphilosophie zum Einsatz, die jedoch an manchen Stellen noch etwas aufwändiger umgesetzt wird.

Entwickler Dr. Roland Gauder (Doktor der Physik) begegnet dem Boxenbau prinzipiell sehr wissenschaftlich. Bevor der erste Lötpunkt gesetzt wird, tüftelt er in aufwändigen Rechenoperationen und computergestützten Simulationen die idealen Parameter und Lösungen für seine Lautsprecher-Projekte aus. Obwohl die EuropaII schon seit mehreren Jahren auf dem Markt ist, gilt beispielsweise die dort eingesetzte Frequenzweichentechnik nach wie vor als Ausnahmeerscheinung der gesamten Branche.  Mit ca. 50dB Flankensteilheit (üblicher Wert bei anderen Lautsprechern ca. 24db/Oktave) hat Herr Dr. Gauder eine Lösung realisiert, Chassiskonzepte wie bei der EuropaII, wirksam zu verbessern: mehrere kleinere Membranen können dank dieser Technik extrem sauber voneinander getrennt, angesteuert werden, so dass klangschädigende Überlappungsbereiche bis zur Unbedeutsamkeit eleminiert werden können. Mit dieser Technik im Hintergrund können nun einzelne Membranen gezielt bestimmte Freequenzbereiche wiedergeben, was die Sauberkeit des Klangbildes deutlich verbessert. 


Aus einem ähnlichen Grund besitzt die EuropaII auch ihren seitlichen Mitteltöner, der ausschließlich zur Aufgabe hat, bei den auslenkungsintensiven Frequenzen zwischen 150 und 300Hz den beiden vorderen Mitteltönern unter die Arme zu greifen - und dabei mehr als die Hälfte der Arbeit übernimmt. So ist gleichermaßen dafür gesorgt, dass sowohl die so wichtige Mittendarstellung sauber klingt, als auch die Realisierung möglichst großer Membranflächen für hohe Pegel. Die seitliche Anordnung des einen Mitteltöners erfolgte zur Verbesserung der Energieausnutzung (unter Einbeziehung des Raumes zwischen den Boxen) bei der Abstrahlung - zumal in diesen niedrigen Frequenzbereichen aufgrund der kugelförmigen Schallausbreitung keine klanglichen Einbußen vorhanden sind.

Damit das akustische Zentrum trotzdem möglichst exakt lokalisierbar ist, werden die höheren Frequenzen über den obersten Mitteltöner ausgegeben, der durch die nahe Lage zum Hochtöner für eine nahtlose Anbindung des Klanggeschehens bis in die obersten Frequenzen sorgt. Doch damit nicht genug. Eine separate Platine sorgt dafür, dass zeitliche Differenzen innerhalb der Ansteuerung der verschiedenen Chassis ausgeglichen werden und somit selbst komplex aufgebaute Musik absolut sauber und frei von Laufzeitunterschieden/Ungenauigkeiten das Ohr des Zuhörer erfreut.

Die (Tief) Bass-Sektion verfügt ebenfalls über interessante Eigenschaften, die sich vom Großteil des Marktes abgrenzen. Die übliche Methode mit direkt an den Raum abstrahlenden Bass-Chassis wurde zugunsten einer Band-Pass Konstruktion ersetzt. Dabei werkeln die Tieftöner im Bandpass-System auf ein vorher bekanntes Volumen. Deswegen ist sowohl der Frequenzgang als auch das Zeitverhalten eindeutig berechenbar, und soll laut Isophon einen lineareren Frequenzgang als bei anderen Konzepten ermöglichen. Dazu kommt noch, dass Raummoden bzw. Druckeffekte im Gegenzug ebenfalls nicht direkt auf die Membranen einwirken können und eine Minderung der Dröhnneigung eintritt. Weiterhin benötigt die Frequenzweiche für die Ansteuerung der Tieftöner keine extrem großen Spulen, die wegen großer Induktivitäten Laufzeitunterschiede verursachen würden. Das Band-Pass System ist daher in der Lage, die tiefen Frequenzen deutlich weniger zeitverzögert – und deswegen zeitnah zu den anderen Frequenzanteilen eines Geräusches – oder Instrumentes - abzugeben. Auch wenn es hier nur um wenige Millisekunden geht, so sind solche Fähigkeiten maßgeblich in der Lage, für eine authentischere Klangabbildung, bekannter Geräusche, zu sorgen. Der Band-Pass übernimmt alle Frequenzen unterhalb 150Hz und kommt mit einem -3db Punkt von ca. 33Hz bereits in Regionen ausgewachsener Subwoofer, was den absoluten Tiefbass-Bereich betrifft.


Die EuropaII im Querschnitt. Hier nun noch einmal in Stichworten alle wichtigen technischen Features:

1.) geschlossene Kammer

2.) Dämmmaterial

3.) Frequenzweiche für Mitten und Höhen

4.) 9 '' Woofer für Basswiedergabe (1)

5.) offene Kammer 1

6.) Magami Kabel

7.) Clearwater Kabel

8.) offene Kammer 2

9.) 9'' Woofer für Basswiedergabe (2)

10.) Tri-Wiring WBT Terminal

11.) extra verstärkter Boden inkl. Masseschiene mit hoher Dämpfung

12.) Frequenzweiche für Woofer

13.) geschlossene Kammer

14.) Öffnung auf der Vorderseite für Kammer (1)

15.) Öffnung auf der Vorderseite für Kammer (2)

16.) seitlicher 4 '' Mitteltöner

17.) geschlossene Kammer

18.) vorderer 4 '' Mitteltöner (1)

19.) vorderer 4 '' Mitteltöner (2)

20.) Straight Wire Kabel

21.) Hochtöner mit Gewebekalotte Größe 1 '' 

22.) geschlossene Kammer

23.) Zeitkorrektur-Platine (Time Correction Circuit)

Fazit:

Wo andere Hersteller mit Design-Experimenten, klangvollen Namen oder Marketing-Features auf Kundensuche gehen, scheut sich Hr. Dr. Gauder nicht, auch bei verborgenen technischen Details, alles zu tun, damit jede Note so klingt, wie sie auf dem Tonträger enthalten ist. Im Vergleich zur Vieta, bietet die EuropaII durch größere Bass-Chassis und einen weiteren Mitteltöner nicht einfach nur mehr Materialeinsatz, sondern rechtfertigt ihren Mehrpreis durch eine konsequent auf Klangsteigerung ausgelegte Konzeption. Für den hier gezeigten, hohen technischen Aufwand geben wir die volle Punktzahl und wünschen uns, dass auch andere Hersteller die hier gezeigte Sorgfalt, weniger in Marketing, sondern in die technische Entwicklung ihrer Schallwandler stecken.

Bewertung:
Testumgebung sowie Elektronikempfehlung:

Die reinen technischen Herstellerangaben von 300 Watt Sinusbelastbarkeit bei 6 Ohm täuschen leider schnell darüber hinweg, dass es bei der EuropaII mit ihrem Band-Pass System und den aufwändigen Frequenzweichen darauf ankommt, besonders hochwertige und gleichzeitig kraftvolle Elektronik einzusetzen. Ein weitere Grund dafür ist der daraus resultierende relativ niedrige Wirkungsgrad von ca. 86 db/Watt, so dass besonders bei hohen Pegeln und basslastigen Signalen die Endstufe nie kraftvoll genug sein kann. Selbst unser Audionet Amp1 (ca. 4000 € / 2x 300Watt bei 4 Ohm) musste bei manchen dynamischen Tracks der Erich Kunzel CD "Fantasy Epics" die Schutzschaltung aktivieren. Weitere, testweise eingesetzte Endstufen wie die Vincent SP993 (2300 €/ 2x400Watt bei 4 Ohm) oder die Rotel RMB-1090 (2500 €/ 2x700Watt bei 4 Ohm) schalteten früher ab und finden zudem an, vorher unsauber zu spielen. Für extreme Pegelfreunde empfehlen wir daher in 2 Endstufen für Bi-Amping zu investieren. Selbstverständlich macht die EuropaII auch mit einer einzelnen Stereo-Endstufe jede Menge Spaß - fast schon zu viel Spaß, denn die ungemeine Transparenz und Unbeschwertheit des Klangbildes verleitet oft dazu, nach und nach den Pegel immer weiter hochzufahren. Unterhalb extremster Pegel ist man deswegen mit der Audionet, aber auch der Rotel Endstufe trotzdem sehr gut bedient, da beide über hohe Basskontrolle verfügen, wobei die RC-1090 von Rotel schon merklich schlanker klingt, und sich der Amp1 von Audionet nicht scheut auch mal kräftig Energie auf die Bass-Chassis zu geben, wenn es auf der Quelle enthalten ist. 

Eher abraten würden wir von der Kombination mit der angesprochenen Vincent SP-993 Endstufe, die zwar durchaus durch ihre "warme" Klangcharakteristik viele Freunde hat, aber mit der EuropaII zumindest in unseren Hörraum untenherum zu dick und unsauber aufspielte, und in den Höhen den Detailreichtum der Audionet vermissen ließ. Technisch ist es natürlich möglich, auch einen Mittelklasse-AV-Receiver mit den Europas zu kombinieren, doch abgesehen von den zu schwachen Endstufen können solche AV-Receiver auch seitens der Vorstufe nicht das Niveau bieten, um die Isophon Lautsprecher auch nur ansatzweise auszunutzen. 

Überhaupt stellen wir sehr oft fest, dass die Wirkung der Vorstufe in Bezug auf die Stereo Qualitäten bei hochwertigen Schallwandlern oftmals unterschätzt wird. Wo ein 700 € Lautsprecher wie die Monitor Audio Silver RS-8 mit einem Marantz SR-9600 (ca. 3500 €) ein schlagkräftiges, harmonisches Team bildet, unterfordern selbst sehr hochwertige Surround-Receiver wie der Onkyo TX-NR5000E (ca. 5500 €) solche Boxen wie die EuropaII. Im Vergleich mit einer Audionet MapV2 mit EPS Modul (Vorstufe ca. 7700 Euro) kann kein uns bekannter AV-"Bolide" auch nur ansatzweise die selbe Lebendigkeit und Natürlichkeit der Musik bietet, oftmals wurden damit bislang begleitende Instrumente aus der akustischen Versenkung geholt und bereicherten das Klangbild durch eine insgesamt facettenreichere, mitreißendere Wiedergabe. Besonders das Loslösen der Musik vom Lautsprecher bedarf neben einer hervorragenden Endstufe auch eine exakt spielende Vorstufe mitsamt adäquaten Quellgeräten, die Details weder verschlucken, noch minimal verändern. Hierbei reicht es unserer Meinung nach nicht, einen günstigen DVD Player der 1000 €-Klasse digital an eine MapV2 Vorstufe anzuschließen, denn auch das Laufwerk mitsamt dem gesamten Ausleseverfahren hat einen maßgeblichen Anteil an dem späteren Gesamtergebnis. Verstehen Sie uns bitte nicht falsch: bereits in einem Mittelklasse-System klingt die EuropaII bereits ausgezeichnet und vermag Ihren Besitzer zu begeistern. Doch wir finden es erstrebenswert, bei einem Lautsprecher, der solch herausragendes Potential besitzt, dieses auch zum größtmöglichen Teil abzurufen. Hierzu gehört jedoch auch die Raumakustik, welche leider in den meisten Fällen völlig untergeordnet behandelt wird. Wenn Sie sich dazu entschließen sollten, einen der deutschlandweit 18 Isophon-Fachhändler aufzusuchen, möchten wir Ihnen ans Herz bzw. Ohr legen, sich nicht nur über Lautsprecher und Elektronik zu informieren, sondern auch über die Optimierung der Raumakustik. Die EuropaII kann dann nämlich erst ihr volles Potential entfalten und restlos begeistern.


Unsere Testumgebung im Überblick:
  • Vorstufen: Rotel RC-1090, Audionet MapV2 mit EPS Modul
  • Endstufen: Rotel RB-1090, Audionet Amp1, Vincent SP993
  • (AV/Stereo) Receiver: Onkyo TX-NR5000E, Marantz SR-9600, Marantz PM15-S1

  • Quellgeräte: Denon DVD 3910, Onkyo DV-SP1000E (beides DVD Player), Audionet Art V2 (CD-Player)
  • Raum: ca. 25m² akustisch optimiert durch RTFS Wallpanels und Cornerblöcke

  • alle abgebildeten Lautsprecherständer sowie HiFi-Racks sind von der Firma Spectral

Klang


Die Faszination, die von diesem Schallwandler ausgeht, ist nur schwer mit ausschließlich nüchternen Worten zu vermitteln. Wir wir bereits im 7.0-Surround-Test angedeutet haben, besticht die EuropaII durch gleichzeitig ehrliche, aber dennoch nie emotionsarme Darbietung, wie es besonders in dieser Lautsprecher-Klasse nicht selten der Fall ist. Die - ohne Frage - vorzügliche KEF Reference 205 strahlt beispielsweise, trotz aller Qualitäten im Hochtonbereich, kein solch mitreißendes und begeisterndes Feeling aus. Unserer Meinung nach haben vor allem zwei Eigenschaften der EuropaII großen Anteil daran: Einerseits ist dieser Lautsprecher in der Lage, sehr dynamisch aufzuspielen, und zusätzlich besticht die Darbietung insgesamt durch eine außerordentlich hohe Räumlichkeit, die verschiedenen Instrumente fast schon greifbar im Hörraum platziert. Dabei verfällt die EuropaII jedoch glücklicherweise nicht der Eigenart, das musikalische Geschehen auf einzelne Instrumente/Sänger zu sezieren, sondern verbindet selbst komplex aufgebaute Musik zu einem ganzheitlichem harmonischen Ereignis. Entgegen der vorherrschenden Meinung bedarf es nicht erst einer perfekt aufgenommenen ausgewählten Klassik-CDs, um von diesen Vorteilen hörbar zu profitieren, denn bereits mit Filmsoundtracks wie zu Star Wars EpisodeIII, bedankt sich die EuropaII bei Ihrem Besitzer und zaubert ein ungemein stabiles, klar strukturiertes, und dennoch lebendiges Klangbild in den Hörraum. Um gleich bei dieser CD zu bleiben: Die Star Wars-typischen Fanfaren bzw. Trompetenklänge präsentieren in beeindruckender Manier, dass ebenfalls besonders der Hochtonbereich gegenüber günstigeren Lautsprechern punkten kann. So sehr eine Box wie die Quadral Platinum (ca. 1800 €/Stück) in Bezug auf ihre Preisklasse auch (zurecht) gelobt wird, so demonstriert die EuropaII, dass auf der Suche nach einer atmosphärisch dichten, absolut mitreißenden Abbildung nochmals eine deutliche Steigerung möglich ist. Diese Beobachtung bezieht sich übrigens nicht nur speziell auf diese beiden Modelle. 

Es ist typischerweise so, dass generell im High-End Bereich (sowohl Lautsprecher als auch Elektronik), eine deutlich bessere Feinauflösung/Detaillierung im hohen Frequenzbereich zu vernehmen ist. Oftmals sind dafür günstigere Offerten von Haus aus mit einer intensiveren Bass-Umsetzung gesegnet, so dass hochpreisige Schallwandler oftmals mit dem Vorurteil zu kämpfen haben, eher für audiophile/feingeistige "Gourmets", als für Freunde einer eher auf Effekt- und Spaß betonten Wiedergabe, gemacht zu sein. Entsprechende Beispiele wären neben der bisher bereits genannten KEF Reference 205 auch viele Elektronik Komponenten von Rotel, während z.B. die Nubert nuWave 125, CS-65 für  965 Euro oder ein Pioneer VSA-AX10Ai-S für rund 5.000 € für eine Modell-Philosophie Pate stehen, die besonders den Bassfreunden sehr entgegenkommt. Die Isophon EuropaII gefällt uns genau deswegen so gut, weil sie aus der Tradition vieler Ihrer High-End Kollegen ausbricht, gleichzeitig aber im Bereich der Detail- und der Bass-Wiedergabe mit den allerbesten Noten aufwarten kann. Der innenliegende Band-Pass erlaubt es der EuropaII nicht nur in  der Theorie, tief hinab in den Frequenzkeller zu steigen, sondern sorgt auch beim Hören für ein kräftiges, unerschütterliches Bass-Fundament, an der sich selbst Bass-Könner wie die NuWave125 vergeblich die Zähne ausbeißen. Herr Dr. Gauder hat nicht nur das Kunststück geschafft, die EuropaII bis an die 30Hz linear spielen zu lassen, Nein - gleichzeitig überzeugt seine Konstruktion auch mit vorbildlicher Präzision und absoluter Gelassenheit. 

Mit Speed-Metal vom neuesten Chimaira Album brachten wir die EuropaII genauso wenig in Bedrängnis wie mit hämmernden Techno-Beats. Der extrem straffe, konturierte Bass überflügelt dabei übrigens auch ihre kleinere Schwester, die Isophon Vieta. Insbesondere die Fähigkeit, Kickbässe noch ungefilterter und unvermittelter umzusetzen, lässt die EuropaII als ungemein souverän aufspielende Box erscheinen. Und obwohl die Vieta in unserem Test bereits aufgrund außerordentlicher Leistungen den Referenz-Status einheimste, wird sie von der EuropaII auch in Punkto Stimmdarstellung überflügelt. Ob nun Tori Amos oder Tom Jones: jeder Interpret würde sich glücklich schätzen, wenn er bei seinen Fans über eine EuropaII Einzug in die Wohnung erhalten würde. Es ist eine besondere (und leider viel zu seltene Gabe), dass ein Lautsprecher gleichzeitig in der Lage ist, die charismatischen Stimmen weiblicher Soul-Sängerinnen, aber auch markante, kräftige Männerstimmen mit Hingabe und authentischer Abbildung zum Auditorium zu transportieren. Insgesamt spielt die EuropaII nochmals etwas souveräner und lockerer auf, wobei uns im direkten Vergleich auch aufgefallen ist, dass die Vieta im Hochtonbereich etwas präsenter wirkt. 

Laut Herrn Dr. Gauder liegt dies daran, dass Vieta und EuropaII für unterschiedliche Raumgrößen konzipiert sind, und die EuropaII im Hinblick für die meist entsprechend größeren, jedoch halligeren Räume etwas sanfter abgestimmt wurde. Die Vieta hingegen (genauso wie übrigens auch der Regallautsprecher Galileo) sollen auch in eher kleineren bzw. stärker bedämpften Lokalitäten frisch und klar klingen, so dass hier tendenziell eher eine leicht vorgehobene Hochtönerabstimmung vorgenommen wurde. Zusammen mit der absolut souveränen Kraftentfaltung wirkt die EuropaII daher wie ein großer 12 Zylinder PKW-Motor, der bei Bedarf zwar ungeahnte Kräfte freisetzen kann, aber am liebsten durch seine Harmonie und kultivierte Vorgehensweise beeindruckt. Auf Wunsch übrigens fertigt Isophon die EuropaII auch ohne die ca. 0,5 db Absenkung - doch sollten Sie wissen, dass die ursprüngliche Klangcharakteristik sich in unseren Tests auch in kleinen Räumen sehr bewährt hat und gleichzeitig eine hohe Detailauflösung bei einer niemals zu forschen oder gar zu aggressiven Spielweise bieten konnte.


Die großen Allround-Talente machen die EuropaII auch in einer Heimkino-Umgebung zu einer begehrenswerten Komponente. Der hier abgebildete Center Isophon Solaris (3000 Euro) passt akustisch hervorragend zu den beiden großen Standlautsprechern. Mehr Informationen über das komplette 7.0 Isophon Heimkino-Set finden Sie übrigens in unserem Test des  Isophon 7.0-Surround-Sets (Europa II, Solaris, Galileo)  vom August. Bilanzierend möchten wir in Bezug auf die Stereo-Qualitäten der EuropaII noch bemerken, dass keine Einzelauflistung und auch kein noch so umfangreicher Testbericht der Faszination dieses Schallwandlers gerecht werden kann - und ganz besonders in dieser Preisklasse ausführliche Hör-Sessions sowieso selbstverständlich und unumgänglich vor dem Kauf sind. Wenn dann die Entscheidung für ein Paar EuropaII gefallen sein sollte (was wir durchaus für realistisch halten), richten Sie sich darauf ein, der Aufstellung sehr große Beachtung zu schenken. Mehr noch als bei anderen Lautsprechern können einige Zentimeter Unterschied nochmals große Verbesserungen bewirken. Ganz besonders das Anwinkeln der Front auf den Hörplatz erfordert zwar einige Mühe, belohnt dann aber mit phantastischer Weitläufigkeit bei dennoch klarer Ortung der einzelnen Instrumente bzw. Stimmen.

Fazit

Schon zum dritten Mal müssen wir am Ende unserer Tests einer Isophon-Box hervorragende Qualitäten bescheinigen. Dass die kleine Firma aus dem Schwabenland so erfolgreich abschneidet, ist zwar zum großen Teil durch die außerordentlichen klanglichen Leistungen zu begründen, doch auch abseits rein akustischer Aspekte bringt Isophon alles Wichtige zusammen: hochwertige Verarbeitung, fast beispiellose Auswahl an Oberflächenvarianten, 10 Jahre Garantie - und nicht zuletzt ein dafür angemessener Preis unterstreichen die Attraktivität dieser Lautsprecher. Die EuropaII im Speziellen wird zwar nicht als dezenteste bzw. wohnraumkompatibelste Box in die Lautsprecher-Historie eingehen, doch in klanglicher Hinsicht hat sie sich bereits in ihren ca. 3 Jahren als feste Größe im internationalen HiFi-Business etabliert. Zurecht - wie unser Test zeigte. Die EuropaII bleibt sogar der deutlich teureren JBL K2 S5800 auf den Fersen und wer für die preisliche Differenz in sehr hochwertige Elektronik investiert, kann sogar vollends in die allerhöchsten Klangsphären eintauchen. Paradoxerweise liegt genau hier aber auch der Haupt-Nachteil dieser Box: im Vergleich zu den meisten Ihrer Kollegen ist die EuropaII deutlich mehr auf adäquate Zuspielung angewiesen, um Ihre Vorteile voll zur Geltung bringen zu können. Selbst mit einem guten 1500 € Stereo-Vollverstärker, wie dem Marantz PM15S1 ist die EuropaII noch lange nicht auf dem Zenit ihrer Leistungsfähigkeit. Unserer Meinung nach sollten die Glücklichen, die ihr Hobby mit einer EuropaII frönen können, auch (zumindest langfristig) nicht davor zurückschrecken, ähnliche Betrage noch einmal in CD-Spieler, Vor- und Endstufe zu investieren. Doch nicht nur Stereo-Liebhaber werden Gefallen an der EuropaII finden - durch Erweiterbarkeit auf ein formidables Surround-System kann man mit diesem Lautsprecher auch den Grundstock für eines der weltweit besten Mehrkanal-Sets bilden. Unsere "Masterpiece" Wertung erhält die EuropaII schlussendlich deshalb, weil sie wie schon die Vieta ihre direkten Konkurrenten deutlich hinter sich lassen kann und zusätzlich noch in der Lage ist, manchen Schallwandlern aus der über 10.000 €-Klasse (pro Stück) Paroli zu bieten, und dabei vornehmlich nur durch noch höhere Pegelfestigkeit bzw. weniger stromzehrende Konzeptionen aufgehalten werden kann.

Und an all diejenigen, die diesen Test zwar mit Interesse, aber auch mit etwas Wehmut ob des hohen Preis gelesen haben: Wir freuen uns, schon in wenigen Wochen mit dem Test einer weiteren, dieses Mal mit jedoch nur 1500 € deutlich günstigeren "Corvara"- Isophon-Standbox vielleicht auch eine Alternative in der Mittelklasse vorstellen zu können. Wenn dieser Schallwandler auch nur ähnliche Qualitäten wie die EuropaII aufweist, dürfen wir uns auf eine äußerst attraktive Offerte freuen.

Die EuropaII widmet sich jeder musikalischen Herausforderung mit Bravour und zieht auch den sehr erfahrenen Anwender vollkommen in ihren Bann

Masterpiece Standlautsprecher Highend-Klasse
Test 21. November 2005
Preis-/Leistungsverhältnis: 

+ akustisch höchst beeindruckende Leistungen, die weit über dem üblichen Niveau dieser Klasse liegen
+ straffe und tiefe Bass-Wiedergabe 
+ technisch sehr aufwändige Umsetzung
+ Gehäuseverarbeitung und Materialauswahl auf sehr hohem Niveau
+ 10 Jahre Garantie und vielfältige Erweiterungsmöglichkeiten zum Surround-Set 

- hohe Ansprüche an alle Faktoren der Zuspielung, leistungsstarke Endstufen sehr ratsam.
- große Ausmaße und konservative Gehäuseform 

 

Die technischen Daten im Überblick:
  • Preis pro Stück von 3849 bis 5039 €
    Tieftöner: 2x 225mm
    Mitteltöner: 3 x 120mm
    Hochtöner: 1x 25mm
    Basprinzip: Doppelbandpass, einzeln ventiliert, hochpassgefiltert
    Trennfrequnz: 140 / 3400 Hz
    Impedanz: 6 Ohm
    Sinusbelastbarkeit: 300 Watt
    Impulsbelastbarkeit: 560 Watt
    Höhe: 122,0 cm
    Breite: 25,0 cm
    Tiefe: 46,0 cm
    Gewicht: 56 kg

Test: Lars Mette

21.11.2005

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