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Under Suspicion / Das Verhör (Garde à vue)

Studio

Splendid Film (1999) / TF1 Film Productions (1981)

Verleih

Splendid Entertainment (2002)

Laufzeit

106:23 / 83:43 min. (FSK 12)

Regie

Stephen Hopkins / Claude Miller

Darsteller

Gene Hackman, Morgan Freeman, Monica Belluci
/ Lino Ventura, Michel Serrault, Romy Schneider

DVD-Typ

DVD-9 / DVD-5

Fernsehnorm

PAL

Bildformat

1,78:1 (anamorph) / 1,66:1 (Letterbox)

Audiokanäle

1. Deutsch, Dolby Digital 5.1
2. Englisch, Dolby Digital 5.0 /
1. Deutsch, mono

Untertitel

deutsch, englisch

Regionalcode

2

Verpackung

Amaray-Case

Preis

ca. 30-35 €
Film
  (Under Suspicion)
(Das Verhör)
Under Suspicion

Henry Hearst (Gene Hackman) Seniorpartner einer angesehenen Rechtsanwaltskanzlei in San Jose ist auf dem Sprung zu einem Wohltätigkeits-Dinner zugunsten der Opfer des Hurrikan Lucy, der kurz zuvor mit verheerenden Folgen über Puerto Rico hinweggezogen ist. Da er als Hauptredner fungieren soll, ist ihm jede Störung unlieb, selbst die eines alten Freundes, wie Detective Victor Benezet (Morgan Freeman). Aber da der verspricht, der kurze Abstecher auf sein Revier, um eine Zeugenaussage Henrys vom Vortag noch einmal durchzusprechen werde allerhöchstens zehn Minuten dauern, sagt er schließlich wiederstrebend zu. Hintergrund ist ein grausiger Fund, als Hearst beim Joggen die Leiche eines vergewaltigten kleines Mädchens gefunden hatte. Doch was auf dem Revier als harmlose Plauderei beginnt, steigert sich bald in erheblich ernstere und auch langwierige Bahnen. Ist es anfangs nur das etwas hitzige Vorgehen von Benezets Assistenten Owens (Thomas Jane), das gewisse Reibungen erzeugt, zieht allmählich auch in das Verhältnis der beiden Freunde ein deutlich anderes Klima auf. Zu widersprüchlich sind Hearsts Angaben, als das Benezet nicht umhin kann, seinen Gegenüber vom Zeugen zum Hauptverdächtigen zu befördern. Und während der Vorgesetzte des Polizisten darauf drängt, der Sache ein schnelles Ende zu machen, da er den angesehenen Bürger endlich auf dem Podium sehen will und für den Verdacht seines Untergeben entsprechend wenig übrig hat, lässt der Kriminalbeamte nicht locker. Und da sich im Laufe des Gesprächs enthüllt, dass das Verhältnis Hearsts zu seiner jungen Frau Chantal (Monica Belluci) nicht nur wesentlich angespannter ist, als das scheinbare Traumpaar in der Öffentlichkeit verlauten lässt, sondern erhebliche Bestandteile der ehelichen Konfliktlinien einen unmittelbaren Bezug zu seinem Fall aufzuweisen scheinen, zögert er nicht, auch Chantal selbst als Zeugin in die Ermittlungen einzubeziehen, ohne freilich zu ahnen, welche dramatischen Entwicklungen er dadurch heraufbeschwört.

Eigentlich sollte ein Remake erst einmal für sich selbst bestehen können, das Original kann allerdings gelegentlich Hinweise dafür liefern, was bei der neuen Version eventuell falsch gelaufen ist. Und bei "Under Suspicion" ergibt sich daraus, dass die moderne Fassung zumindest teilweise Opfer der eigenen Inkonsequenz wird und deshalb hinter der Urfassung zurückbleibt. Die Geschichte ist weitgehend die selbe geblieben, aber statt wie "Garde à vue" (Das Verhör) aus dem Umstand, das eigentlich keine fortschreitende Handlung vorhanden ist, eine Tugend zu machen und mit bewusstem Minimalismus in der Erzählweise das Geschehen hoch zu konzentrieren und daraus seine subtile Spannung zu ziehen, versucht "Under Suspicion" es mit herkömmlichem Aktionismus, der hier und da eingestreut wird, was aber meist nur als leeres Strohfeuer endet, da keine klare Linie erkennbar ist. Dabei werden gute Ansätze leichtfertig verschenkt, so die angedeutete Freundschaft zwischen Polizist und Verdächtigem oder die aufgeladene Atmosphäre des Spektakels auf den Straßen von San Jose, welche in hitzig aufgeladenen Impressionen eingefangen wird (wie überhaupt der ganze Film in ausdrucksstarken Bildern schwelgt): Beides nur Beispiele für Ansätze, um dem Geschehen einen eigenen Akzent zu geben.
Allerdings ist "Under Suspicion" kein Totalverlust. Denn zum einen ist es sowieso meist lohnenswert Schauspieler wie Gene Hackman und Morgan Freeman, welche den Film aufgrund ihrer Rollengestaltung naturgemäß dominieren können, bei der Ausübung ihres Könnens beobachten zu dürfen; außerdem gelingt es dem Film ja durchaus, sich von allzu vorhersehbaren Mainstream-Thrillern abzusetzen. Und vor allem im Mittelteil, wenn sich die Enthüllungen über den Charakter von Hackmans Figur zu verdichten beginnen und auch Monica Belluci, eine erheblich aktivere Position erhält, deren Rolle Anfangs den Anschein erweckte, ausschließlich als attraktiver Blickfang eingebaut worden zu sein (was ihr übrigens auch hervorragend gelingt).

 

Das Verhör (Garde à vue)

Ausgerechnet am Sylvesterabend wird der Notar Jerome Martinaud (Michel Serrault) auf das Bezirksrevier der Polizei bestellt, um dort seine Zeugenaussage durchzusprechen. Der ermittelnde Beamte Antoine Gallien (Lino Ventura) scheint allerdings auch nicht besonders begeistert von seiner Aufgabe, denn auch wenn der Fall (glücklicherweise) nicht reine Routine ist, da es sich um die Vergewaltigung und Ermordung von zwei kleinen Mädchen handelt, so lässt er doch zunächst durchblicken, dass er es für eher fraglich hält, dass Martinaud, der das zweite Opfer entdeckt und den traurigen Fund an die Polizei gemeldet hatte, noch viel zur Aufklärung beitragen kann. Aber sehr schnell kippt das Gespräch und Martinaud wird langsam immer mehr in die Ecke gedrängt. Ist an den anonymen Beschuldigungen gegen seine Person vielleicht doch mehr dran, als bloßer Neid weniger begüterter Nachbarn auf seine privilegierte Stellung ? Finden sich nicht doch gewisse Widersprüche in seiner Aussage ? Und wieso befand er sich eigentlich zufällig auch in der Nähe des Tatorts, als das erste Verbrechen begangen wurde ? Aber ein wirkliches Zugeständnis an die Überlegungen des Kommissars lässt sich der Ehrenmann nicht entlocken. Und während Gallien seine Schlussfolgerungen nur bruchstückhaft an die Oberfläche dringen lässt, macht sein Assistent Marcel Belmont (Guy Marchand) überdeutlich, dass er an der Schuld Martinauds keinen Zweifel hegt. Und dann meldet sich noch die Frau des Tatverdächtigen, Chantal Martinaud (Romy Schneider) an, deren Aussage dem Fall wiederum eine neue Richtung geben könnte.

Großes Kino, das sich als Schauplatz fast durchweg auf einen Raum beschränkt ist selten, zwingt es doch dazu, den Blick des Zuschauers auf andere Weise als mit bloßer Bewegung oder dem Reiz eines stetig wechselnden Umfeldes zu bannen. Jedoch gelingt es "Garde à vue" (Das Verhör), sich nahtlos in den exklusiven Zirkel jener Leinwandwerke einzureihen, denen das Kunststück gelungen ist. Als besonders bemerkenswert kann jedoch der Umstand bezeichnet werden, dass der Film selbst innerhalb seines beschränkten Spielraumes fast völlig auf alle Möglichkeiten der dramatisch großen Gesten und Zuspitzungen verzichtet, jedoch trotzdem die Spannung bis zum äußersten treibt. Während die eingesetzten Mittel denkbar sparsam bleiben, entwickeln sie unmerklich eine maximale Wirkung.
Grundlage sind die Bilder, denen durch geschickten Einsatz eigentlich bedeutungsloser Details, wie kurze Schwenks nach außen, und einer präzisen Farbdramaturgie eine Stimmung entschwebt, die so überhaupt nichts von der Tristesse des Schauplatzes eines kargen Verhörraumes, vielmehr die aufgeladene Atmosphäre eines verschwenderisch ausgestalteten Hochglanzdramas ausstrahlt.
Die Hauptarbeit allerdings wird von den Akteuren geleistet, die, und das ist das eigentlich Erstaunliche, die Abwesenheit von äußeren Show-Elementen nicht durch eine gesteigerte Selbstdarstellung in Gestik, Mimik oder Sprachgewalt zu kompensieren versuchen, sondern im Gegenteil sogar mit äußerster Zurückhaltung agieren. Doch statt auf diese Weise das Filmgeschehen endgültig zum Erliegen zu bringen, ist es gerade das Abwartende, Unausgesprochene, die bedeutungsvollen Pausen und vor allem die fast schon greifbare Chemie zwischen den Akteuren, aus welchen "Das Verhör" seine spannungsgeladene Kraft schöpft. Symptomatisch für diese Umkehrung des filmischen Erzählprinzips, dass es die Action ist, welche den Grad der Spannung definiert, kann der kurze gewalttätige Ausbruch von Guy Marchand - dem Mann im Hintergrund der Befragung - dienen, der nicht als dramatische Spitze, sondern eher als lähmender Fremdkörper wirkt.
So sind es dann die Schauspieler, die "Das Verhör" alleine durch Charisma und wirkunsvollen Minimalismus zu einem filmischen Ereignis machen. Und dies gilt umfassend, sind es nämlich nicht nur die Szenen der Hauptfiguren, sondern ohne Abstriche auch die Momente, in denen die am Rande befindlichen Charaktere nach vorne rücken, ohne das Niveau für eine Sekunde absacken zu lassen. Dabei setzen sowohl Romy Schneider, als auch Guy Marchand ihre eigenen Akzente und ergänzen sich mit der Virtuosität des subtilen Zweikampfes der beiden Hauptdarsteller Michel Serrault und Lino Ventura. Gerade bei letzterem ist bemerkenswert, wie der Darsteller, dessen Rollen doch meist von seiner kraftvollen und vor allem handgreiflichen Präsenz getragen werden hier voll und ganz auf eine gedämpfte, fast schon passive Vorstellung bauen kann.

 

Bild 
  (Under Suspicion)
(Das Verhör)

In Sachen Schärfe und Kontraste zeigt die Qualität von "Under Suspicion" weit überdurchschnittliche Werte. Und auch die Wiedergabe des vom Regisseur gewählten und von ausgeprägten Gegensätzen geprägten Farbkonzept, von dem warmen, farbenfrohen Treiben auf den festlichen Straßen bis zur nüchternen Kälte der Lichtgestaltung im Verhörraum, kommt auf überzeugende Weise auf den Bildschirm. Was allerdings deutlich auffällt, ist, dass das Bild gleichzeitig ausgesprochen stark verrauscht ist und zwar nicht nur im Hintergrund und das, obwohl der Film noch keine drei Jahre alt ist.

Die Bildqualität der DVD von "Das Verhör" hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck, wobei zumindest in Hinblick darauf, dass die Vorlage aus den frühen Achtzigern stammt, die positive Seite letztlich überwiegt. So fällt immer wieder auf, dass das Bild häufig wie frisch gewaschen wirkt, besonders augenfällig ist dies an den Regentropfen, die plastisch funkeln, als wären sie gerade erst in den Film eingefügt worden. Ebenfalls überdurchschnittlich zeigt sich die Schärfe (wobei gelegentliches Kantenflimmern auf eine gewisse Nachhilfe hindeutet) und auch die Kontraste schlagen sich angesichts eines ausgesprochen anspruchsvollen Ausgangsmaterials (die Schauplätze sind fast durchgehend in ein schummriges Halbdunkel getaucht) ganz wacker. Am augenfälligsten wird die Ambivalenz des Gesamteindrucks bei den Farben, die manchmal satt und glänzend brillieren, andererseits aber die Gesichter der Darsteller häufig mit dem Grünstich von Seekranken im Endstadium daher kommen. Und der nicht ganz erfolgreiche Kampf gegen das Bildrauschen wird in Masken-Effekten, bei denen ein Schatten des Bildes stehen bleibt, während sich die Handlung weiterbewegt, schon bei langsamen Kameraschwenks überdeutlich.

 

Ton
  (Under Suspicion)
(Das Verhör)

Keine Explosionen, keine Schießerei, noch nicht einmal irgendwelche Fortbewegungsmittel, die sich akustisch quer durchs Zimmer bewegen. Statt dessen eigentlich fast ausschließlich Dialoge und Musik. Nicht die besten Voraussetzungen für "Under Suspicion", um zu glänzen. Aber abgesehen davon, dass die Sprachwiedergabe durch absolute Natürlichkeit glänzt und die Straßenmusik so kraftvoll und mit überzeugenden Dynamikwerten aus den Kanälen dringt, als befände sich der Zuhörer selbst mitten in den Festivitäten, kommt es gerade gegen Ende des Films vermehrt zum Auftritt von Soundeffekten bzw. "unsichtbarem" Musikeinsatz, die häufig fast nur auf suggestiver Ebene, manchmal aber auch mit nervenaufreibendem Druck die Atmosphäre der Handlung perfekt verdichten. Und damit zeigt sich gerade eine der Möglichkeiten, um aus dem Konzept des Mehrkanaltonwiedergabe ein Optimum herauszuholen.

Da "Das Verhör" nur in Mono präsentiert wird, lässt sich nur soviel sagen, dass insofern die Qualität in Ordnung ist, da weder Rauschen, noch Knacken oder die bei Mono-Aufnahmen häufig anzutreffende Dumpfheit der Stimmen auftreten. Angesichts des kammerspielartigen Charakters des Films und dem sparsamen Einsatz selbst der Begleitmusik, ist das gewählte Tonformat hier sogar noch fast zu verschmerzen.

 

Special Features 

Richtig überzeugen können die Zugaben zu "Under Suspicion" eigentlich nicht. Das in vier Einzelteile aufgesplittete "Making Of" bleibt wenig informativ, die enthaltenen Interviewausschnitte sind außerdem noch größtenteils einzeln zu den biographischen Daten der Mitwirkenden abrufbar, wobei hier allerdings vorgewarnt werden muss, dass das bei DVDs schon altbekannte Prinzip des Electronic Press Kit-Interviews, die Fragen auf Texttafeln einzublenden und dann die Antwort abzuspielen, hier zum Extrem getrieben wird und die Aussagen häufig gerade mal einen dürren Satz umfassen, ehe schon der nächste Zwischentitel eingeblendet wird, was schon nach kurzer Zeit unglaublich nervt. Abgerundet wird das Ganze mit Aufnahmen der B-Roll und dem Trailer.

Zu "Das Verhör" gibt es lediglich einige biographische Daten zu den Darstellern, sowie den französischen und den deutschen Trailer.

24.01.2002

Review von Tobias Wrany

Test-Equipment

TV: Panasonic TX-28PK1F
DVD-Player: Pioneer DV-343
Dolby Digital / DTS Receiver: Sony STR-DA50ES

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