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Sass
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Studio |
Constantin Film (2001) |
Verleih |
Constantin Video / mc one (2002) |
Laufzeit |
107:34 min. (FSK 12) |
Regie |
Carlo Rola |
Darsteller |
Ben Becker, Jürgen Vogel, Henry Hübchen, Karin Baal, Otto Sander |
DVD-Typ |
DVD-9 |
Fernsehnorm |
PAL |
Bildformat |
2,35:1 (anamorph) |
Audiokanäle |
1. Deutsch, Dolby Digital 5.1
2. Deutsch, Stereo |
Untertitel |
Deutsch |
Regionalcode |
2 |
Verpackung |
Amaray-Case |
Preis |
ca. 25 EURO |
Film      
Tja, wär' die böse Steuer nicht gewesen, vielleicht wären die Gebrüder Franz (Ben
Becker) und Erich (Jürgen Vogel) Sass ja doch sich redlich nährende und ehrbare
Staatsbürger geblieben. Eine Steuergesetzgebung, die den Mittelstand noch deutlich
heftiger in die Mangel nimmt als heutzutage, sorgt jedoch dafür, dass die beiden ihre
kleine Autowerkstatt nicht mehr halten können, als ihnen trotz unvermeidlicher
Anlaufverluste zur Begleichung ihrer Steuerschulden der Laden unter den Händen
weggepfändet werden soll. Also schlagen sie zurück und holen sich ihr Geld da wieder, wo
sie es verloren haben, bei der Finanzverwaltung. Dabei zeichnet sich ihr Raubzug durch
eine für damalige Verhältnisse (wir schreiben die "goldenen" zwanziger Jahre
des letzten Jahrhunderts) außergewöhnliche Anwendung von "High-Tech"-Equipment
aus. Denn statt wie der gewöhnliche Kriminelle mit der rohen Gewalt von Brechwerkzeugen
vorzugehen, nutzen sie den werkstatteigenen Schweißbrenner, um an die Beute zu gelangen.
Und da das Ganze so glatt gelaufen ist, beschließen die beiden, aus ihrem
"Hobby" eine Profession zu machen und werden innerhalb von nur wenigen Jahren zu
den erfolgreichsten und berühmtesten Einbrechern in ganz Berlin. Selbst ihr Hauptgegner
auf Seiten der Polizeibehörden, der Kriminalbeamte Max Fabich (Henry Hübchen) kann ihnen
einen gewissen Respekt nicht versagen. So werden die beiden zu so etwas wie Volkshelden,
denn auch wenn jeder weiß, wie sie ihren aufwendigen Lebensunterhalt bestreiten, kann
ihnen doch gerichtlich nichts nachgewiesen werden. Doch ganz frei von Rückschlägen
bleibt auch ihr Leben nicht, so wird ihr Vater (Otto Sander) von konkurrierenden Ganoven
ermordet. Zwar nehmen sie auf gewohnt trickreiche Art und weise Rache an den Tätern,
jedoch bestärkt sich bei den Brüdern der Vorsatz, langsam zu einem Ende zu kommen und
dann den verdienten Ruhestand zu genießen. Zuvor soll allerdings noch ein letzter großer
Coup her und zwar in Form der Diskonto-Bank. Durch sein Verhältnis mit Sonja Weiß
(Jeanette Hain), der Ehefrau des Direktors, hat Franz auch eigentlich schon eine ganz gute
Ausgangsposition geschaffen. Doch sind mit dem geplanten Unternehmen andere Gefahren
verbunden, über deren Ausmaße sich keiner der beiden ganz im Klaren ist, selbst nach
einem wohlmeinenden Rat ihres Gegenspielers Fabich; lagern im Zielobjekt doch auch Gelder
der aufstrebenden NSDAP und deren Mitglieder erweisen sich als wesentlich gefährlicher
bei der Wahl der Methoden, um dem Treiben der Herren Sass einen endgültigen Riegel
vorzuschieben.
Da soll noch einer sagen, die heimischen Filmemacher könnten keine großen Ausstattungsfilme
produzieren, die in opulenten Bildern vergangene Epochen zu sprühendem
Leben erwecken. Und im Gegensatz zum maßlos überschätzten Joseph Vilsmaier atmet bei
Carlo Rola wirklich jeder Moment des Films den Geist der vergangenen Zeit und hat man nie
den Eindruck, eine bessere TV-Produktion aufgetischt zu bekommen. Dass es trotzdem nicht
gereicht hat, damit "Sass" in der selben Liga wie Scorsese und Coppola
mitspielen kann, hat andere Gründe. Allerdings ist zunächst mal festzuhalten, dass
"Sass" ausgesprochen unterhaltsam geraten ist, denn abgesehen von seinen
großartigen Bildern zeichnet er sich auch durch einen stetigen und dynamischen Wechsel
der Schauplätze und Situationen aus, die beweisen, dass eine durchaus altmodische
Geschichte keineswegs gleichzusetzen ist mit einem schwerfälligen Handlungsverlauf.
Allerdings lässt sich nicht vermeiden zu bemerken, dass dem Film etwas mehr Ausdauer bei
seiner Erzählung durchaus zugute gekommen wäre (nicht ganz ohne Grund erreichen die
historischen Abhandlungen der schon erwähnten Scorsese & Co. regelmäßig epische
Ausmaße, wenn auch insofern manchmal des Guten ein wenig zuviel getan wird). Zu viele
Szenen von "Sass" sind zu ende, bevor das geschilderte Geschehen Zeit genug
hatte, sich ausreichend zu entwickeln, was einer gewissen Vertiefung notwendigerweise eher
abträglich ist. Sogar die Raubzüge der Brüder, die man doch eigentlich als filmischen
Mittelpunkt erwarten könnte, werden ausgesprochen stiefmütterlich behandelt und lassen
ihr filmisches Potential so überwiegend brachliegen.
Ungünstig wirkt sich die etwas kurzatmige Erzählweise insbesondere deshalb aus, da
sich die Geschichte nach der Intention der Verantwortlichen hinter der Kamera (und
aufgrund den tatsächlichen Vorgaben der wahren Lebensumstände, auch wenn das Drehbuch
mit diesen sonst recht frei umgeht) nicht als rein sorgloses Unterhaltungsprodukt, sondern
als große dramatische Erzählung, zwar mit humorvollen Einlagen, aber - gerade gegen Ende
- überwiegender Tendenz zur Tragödie entfalten soll; was in Ansätzen durchaus gelingt,
aber weit weniger wirkungsvoll, als es bei etwas mehr Geduld beim Ablauf der Story der
Fall gewesen wäre. Allerdings reißen insofern die beiden brillanten Hauptdarsteller Ben
Becker und Jürgen Vogel wieder viel heraus und machen jeden noch so kurzen Augenblick zu
einem Erlebnis; selbst Momente, in denen unter ungünstigeren Umständen der Kitschteufel
eiskalt zugeschlagen hätte, werden bei "Sass" bravourös gemeistert und wirken
auch auf der Leinwand (bzw. dem Bildschirm) genauso gefühlvoll, wie sie auf dem Papier des
Drehbuchs gedacht wurden.
Bild      
Die leichte Patina, die durchgehend über dem Bild liegt, sorgt perfekt für die
richtige nostalgische Stimmung, so dass gewisse Nebeneffekte mit leichter Hand in Kauf
genommen werden können. Dazu gehört dass sich der Film bei der Darstellung kleinerer
Details ausgesprochen schwer tut, dies fällt zum Beispiel bei Großaufnahmen von
Gesichtern auf, die sich in konturloser Glätte präsentieren. Aber da man ansonsten von
gestochen scharfen Aufnahmen, in optimaler Kontrastbildung und frischer Farbgebung
verwöhnt wird, gehört "Sass" eindeutig in die Abteilung überdurchschnittlich
angenehmes Seherlebnis.
Ton      
Also eigentlich ist alles da, eine klare Dialogspur sowie zwar sparsam, aber überaus
effektiv und druckvoll eingesetzte Nebengeräusche und Toneffekte, so dass für ein
gelungenes Raumklangerlebnis grundsätzlich alle wichtigen Voraussetzungen vorliegen. Dass
die DVD trotzdem akustisch nicht auf ganzer Linie überzeugen kann, findet sich darin,
dass das Zusammenspiel einfach häufig nicht genügend harmoniert. So erwecken einige der
Dialogstellen den Eindruck noch einmal überdeutlich im Studio nachsynchronisiert worden
zu sein, was per se keine ungewöhnliche Vorgehensweise, sondern Standard ist, jedoch
wurde die Sprachfarbe und Lautstärke nur mangelhaft an die Umgebung angepasst, so dass
die aus dem Center strömenden Worte wie Fremdkörper wirken. An anderen Stellen laufen
das Hauptgeschehen und Soundeffekte, die von links oder rechts kommen, hörbar
zusammenhangslos nebeneinander her, worunter die Räumlichkeit des Geschehens
überdeutlich zu leiden hat.
Special Features      
In der Zugabenabteilung finden sich Licht und Schatten. Der Audiokommentar, sonst
häufig der Höhepunkt im Extrabereich, enttäuscht ein wenig. Abgesehen davon, dass der Regisseur
und seine beiden Hauptdarsteller teilweise etwas leise und undeutlich sprechen, besteht
der überwiegende Teil ihrer Aussagen aus ziemlich zusammenhangslos aneinandergereihten
Erinnerungen an den Dreh, die sich allerdings allzu häufig in Andeutungen oder kurzen
Anrissen erschöpfen, was für den uneingeweihten Zuschauer weder informativ, noch
unterhaltsam wirkt.
Das "Making Of" hebt sich weder positiv, noch negativ, von dem bekannten Niveau
derartiger Features ab, zur Ergänzung gibt es noch einen fünfminütigen Einblick in die
Entstehung der visuellen Effekte, der aber auch keine überraschenden Erkenntnisse bringt.
Die fünf geschnittenen Szenen in ordentlicher Bildqualität und jeweils mit einer
Einführung durch die Cutterin des Films sind durchaus sehenswert.
Ganz nett ist auch ein Ausschnitt aus einer Sendung von "Versteckte Kamera", bei
der Ben Becker anlässlich des Drehs von Sass auf den Arm genommen wurde.
Beim Quiz zum Film, der allerdings tatsächlich voraussetzt, dass man der Geschichte
einigermaßen aufmerksam gefolgt ist, gibt es als Belohnung nicht nur Ruhm und Ehre,
sondern eine Sammlung von Outtakes, die allerdings durchweg wenig witzig ausgefallen sind,
so dass sich niemand grämen muss, der an dem Rätselspiel gescheitert ist.
Im übrigen gibt es noch das übliche Programm, sprich Trailer, Fotogalerie, Interviewschnipsel
und biografische Daten.
Ganz Eilligen wird übrigens die Möglichkeit geboten, die Animation der Menüs
abzuschalten und so direkt zu den gewünschten Programmpunkten zu gelangen.
28.05.2002
Review von Tobias Wrany
Test-Equipment
TV: Panasonic TX-28PK1F
DVD-Player: Pioneer DV-343
Dolby Digital / DTS Receiver: Sony STR-DA50ES
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