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Quills

Studio

Fox Searchlight Pictures (2000)

Verleih

20th Century Fox Home Entertainment (2001)

Laufzeit

119 min. (FSK 16)

Regie

Philip Kaufman

Darsteller

Geoffrey Rush, Kate Winslet, Michael Caine, Joaquin Phoenix

DVD-Typ

DVD-9

Fernsehnorm

PAL

Bildformat

1,85:1 (anamorph)

Audiokanäle

1. Deutsch, Dolby Digital 5.1
2. Englisch, Dolby Digital 5.1

Untertitel

deutsch, englisch

Regionalcode

2

Verpackung

Amaray-Case

Preis

ca. 20-25 EURO
Film 

Aufgrund seiner adligen Herkunft und den überaus gewagten Schriften weder zur Zeit der Revolution, noch in der nachfolgenden napoleonischen Ära bei den Herrschenden allzu wohl gelitten, fristet der Marquis de Sade (Geoffrey Rush) sein Dasein schließlich in einer Zelle im Institut Charenton, einem von dem jungen Abbe Coulmier (Joaquin Phoenix) geleitetem Irrenhaus. Angesichts der durchaus behaglichen Ausstattung seiner Behausung und der aufgrund des exzessiven Einsatzes der Guillotine unverhältnismäßig hohen Sterblichkeitsrate von Leidensgenossen in ähnlicher Lage, kann er sich über seine gegenwärtigen Lebensumstände trotzdem nicht ernsthaft beschweren. Insbesondere, da es ihm immer noch gelingt, weitere, höchst provokante  Werke zu veröffentlichen, wobei ihm Madeleine (Kate Winslet), die als Bedienstete in Charenton tätig ist, tatkräftig behilflich ist, indem sie seine Manuskripte zusammen mit der Wäsche aus der Anstalt schmuggelt und an die im Untergrund agierenden Verleger weiterleitet. Der Widerstand, den ihm Abbe Coulmier entgegenbringt ist dabei eher anregender Art, da der Geistliche durchaus reformorientiert bei der Führung seiner Heilanstalt ist und den geistigen Diskurs, sowie eine werkende Therapie in Form von Aufführung der vom Marquis verfassten Schaustücke durch andere Insassen einer körperlich belastenden Behandlung vorzieht.
Ganz anders sind da die Methoden des Arztes Royer-Collard (Michael Caine), der von Napoleon persönlich auf den Fall de Sade angesetzt wird und mit umfassenden Vollmachten versehen das Ruder in der Anstalt an sich reißt. Ein Teilerfolg des Marquis, als er in einem Theaterstück die zweifelhaften Hintergründe der Hochzeit des Arztes zu seiner blutjungen Braut Simone (Amelia Warner) enthüllt, erweist sich schnell als Pyrrhussieg; denn derartig bis aufs Blut gereizt schlägt Royer-Collard gnadenlos zurück, wobei er alle Befugnisse, die ihm sein Amt verleiht einsetzt, um seinen Widersacher endgültig zu brechen. Dieser jedoch erweist sich zunächst noch als überaus einfallsreich in Hinblick darauf, sich nicht endgültig zum Schweigen bringen zu lassen.

Dass ein Film über den Marquis de Sade nicht den Inhalt seiner Schriften, die ihn schließlich sogar zum Namensgeber gewaltorientierter Praktiken haben werden lassen, in den Vordergrund stellt, versteht sich wohl schon daraus, dass diese Seite des adligen Schriftstellers schon ziemlich totdiskutiert worden ist. Statt dessen wird "Quills" zu einer engagierten Auseinandersetzung über Fragen der Entfaltung der individuellen Persönlichkeit im Konflikt mit einer gesellschaftlichen Umgebung, die Beschränkung des Einzelwillens, absoluter Gehorsam und gleichwohl doppelzüngige Doppelmoral zu ihren herausragendenden Wesenmerkmalen zählt. Und was eignet sich besser, als die Gitterstäbe der Anstalt und die martialischen Foltergeräte von de Sades Gegenspieler Royer-Collard, um die strikten Regelwerke, welche die Mächtigen zur Verteidigung ihrer angestammten Pfründe errichtet haben zu versinnbildlichen. Dass das Drehbuch dabei durchaus zu einer vereinfachten (und historisch nicht übermäßig belegten) Darstellung greift, hier der geknechtete Freigeist, da die personifizierte Gnadenlosigkeit und dazwischen die literarisch, wie filmisch fast schon überstrapazierte Figur des zwischen religiöser Berufung und sinnlichen Gefühlen zerrissenen Priesters, fügt der Glaubwürdigkeit jedoch keinerlei Schaden zu, denn trotz aller Simplifizierung bleibt das Ganze doch stets auf einem hohen Niveau, mit scharfen Dialogen und einer kompromisslosen Dramaturgie. Nicht zuletzt dank seiner hervorragenden Darsteller, die nicht nur zur ersten Güte des gegenwärtigen Kinos gehören, sondern ihr Talent hier auch vollkommen zur Entfaltung bringen, was vor allem für den Hauptdarsteller Geoffrey Rush gilt, kann der Film weitgehend als aufregendes Portrait einer von Umbrüchen geprägten Epoche ebenso überzeugen, wie als persönliches Drama seiner Protagonisten, deren persönliches Schicksal exemplarisch mit den Prämissen der verhandelten großen Ideen und Idealen verwoben wird. So ist auch der Titel des Films gut gewählt, weist er doch nach, wie die namensgebenden Schreibfedern ("Quills") eine Macht entfalten, die selbst einen unumschränkten Herrscher vom Kaliber eines Napoleons in höchste Unruhe versetzt und demgemäss eindrucksvoll das Sprichwort von den den Schwertern an Stärke überlegenden Federn demonstriert. Leider lässt sich der Film jedoch, je näher er sich seinem Ende zuneigt, immer mehr von einer überbordenden Dramatik mitreißen, welche im Theater, wo die auf einem Bühnenstück basierende Geschichte ihren Ursprung hat, durchaus ihren guten Sinn gehabt haben wird. Aber das Theater hält immer eine viel höhere Abstraktion des Geschehens als das Medium Film bereit, der bei aller möglichen Verfremdung immer noch eine Art von Realität abzubilden scheint, so dass gewisse Übertreibungen eine ganz andere Wirkung entfalten. Und gerade wenn ein Film wie "Quills" zunächst seine Protagonisten sorgfältig als Menschen in einem zwar vergangenen und von extremen Bedingungen geprägten, nichtsdestotrotz doch realistischem Alltag einführt und entwickeln lässt, dann bringt ein furioses Finale von shakespearhaften Dimensionen das vorher sorgfältig aufgebaute Gleichgewicht zum Einsturz, zum Schaden des Gesamtwerkes. Vielleicht hätte man ja vorgewarnt sein müssen durch die Darstellung der Mitinsassen der Irrenanstalt, die durchweg im Stile einer Kirmes-Freak-Show vergangener Jahrhunderte auftritt und so von Anfang an einen seltsamen Kontrast zum betonten Realismus der übrigen Darstellung steht. Jedenfalls scheint der von ihnen versinnbildlichte Wahnsinn letztendlich auch auf die Handlung übergegriffen zu haben, weshalb "Quills" zwar immer noch ein faszinierendes und ob seiner Darsteller auch durchaus sehenswertes Ereignis bleibt, trotzdem aber inhaltlich nicht wirklich befriedigen kann.

 

Bild 

Was zuallererst auffällt, ist der heftige Grünstich, in welchen das Bild fast durchweg gehüllt ist. Allerdings liegt hier keine Fehlpressung, sondern künstlerische Absicht des Regisseurs dahinter, der so in durchaus gelungener Form die - auch im übertragenen Sinne - unterkühlte Atmosphäre des Hauptschauplatzes des Geschehens visuell anschaulich zur Geltung bringen wollte. Das Bild weist auch im übrigen kaum ungewollte Mängel auf, sieht man einmal davon ab, dass gelegentlich Nachzieheffekte auftreten. Davon sind leider auch einige nicht ganz ruhige Großaufnahmen betroffen, die sich ansonsten durch ein sehr detailreiches, mit überzeugender Schärfe und guten Kontrasten versehenes Bild auszeichnen.

 

Ton 

Der Film ist nicht gerade besonders soundeffektorientiert. Insofern stehen die meiste Zeit die Dialoge im Mittelpunkt, dies ohne hörbare Mängel. Allerdings gibt es dann doch einmal die eine oder andere etwas weiter in den Raum greifende Soundgestaltung, wie zum Beispiel die Kutschfahrten oder spezielle Toneffekte, wenn die seelische Belastung der Figur des Abbe Coulmier ihre Höhepunkte erreicht. Hier erweist sich die Tonspur dann als überdurchschnittlich präzise in der Dynamik und als überaus druckvoll.

 

Special Features 

Die Zugaben treten nicht in übertriebener Üppigkeit auf, zeigen aber eine solide Qualität.
In Sachen Informationsgehalt liegt der Audio-Kommentar von Drehbuchautor Wright im Vergleich zum Rest der Zugaben vorne.
Die drei kleinen Featurettes geben den üblichen Standard wieder. Im ersten können sich die Mitwirkenden in kurzen Interviewausschnitten zum Film äußern, die anderen beiden gehen noch einmal vertiefend auf die Gestaltung der Kulissen und Ausstattung, sowie die Kostüme des Films ein.
Bei der "Dokumentation Fakten & Film" handelt es sich um Texttafeln, die durchaus interessant, aber viel zu kurz die Unterschiede zwischen Film und Historie anreißen, sowie knapp auf die Auswahl der Darsteller eingehen. Zur Abrundung gibt es schließlich noch je einen Kino- und TV-Trailer, sowie eine Fotogalerie.

28.12.2001

Review von Tobias Wrany

Test-Equipment

TV: Panasonic TX-28PK1F
DVD-Player: Pioneer DV-343
Dolby Digital / DTS Receiver: Sony STR-DA50ES

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