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Nichts bereuen
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Studio |
Ottfilm (2001) |
Verleih |
MC One (2002) |
Laufzeit |
ca. 100 min. (FSK 12) |
Regie |
Benjamin Quabeck |
Darsteller |
Daniel Brühl, Jessica Schwarz, Marie-Lou Sellem |
DVD-Typ |
DVD-9 |
Fernsehnorm |
PAL |
Bildformat |
1,85:1 (anamorph) |
Audiokanäle |
1. Deutsch, Dolby Digital 5.1
2. Deutsch, Dolby Digital 2.0 |
Untertitel |
deutsch, englisch |
Regionalcode |
2 |
Verpackung |
Amaray-Case |
Preis |
ca. 20 EURO |
Film      
Das Abi gerade hinter sich, den Zivildienst vor der Nase driftet Daniel (Daniel Brühl)
ansonsten eher etwas orientierungslos durch sein junges Leben. Was ihm vor allem zu
schaffen macht ist der Umstand, dass er noch immer keinen Weg gefunden hat, der von ihm
schon seit Jahren verehrten Luca ((Jessica Schwarz) so nahe zu kommen, wie in seinen
freizügigen Träumen. Seine Verliebtheit geht sogar so weit, dass er sich noch immer
jedes anderweitigen Geschlechtsverkehrs enthalten hat, nur um beim ersten Mal die ideale
Kombination aus Lust und echter großer Liebe zu erhalten. Dabei ist das Problem noch
nicht einmal, dass ihn die junge Dame etwa links liegen lässt, kommen er und Luca doch
prima miteinander aus, aber die eigene Selbstunsicherheit steht einem
erfolgversprechenden Ansatz zu einer tieferen Beziehung stets im Wege. Dann ist Luca
allerdings erst mal für drei Monate in die Vereinigten Staaten abgedüst und Daniel muss
sich im übrigen auch dienstlich umorientieren, da ihm seine Stelle bei der heimischen
Kirchengemeinde viel zu ereignislos ist. Nach gewissen Meinungsverschiedenheiten mit dem
zuständigen Pfarrer provoziert er einen vorzeitigen Abgang, hat aber das Glück, gleich
eine Anschlussbeschäftigung als ambulanter Altenpfleger zu bekommen. Der Job ist nun
wirklich mit einer erhöhten Konfrontation mit allen Aspekten des Lebens verbunden, was
seine Schatten,- aber auch seine Lichtseiten hat. Zu letzteren gehört insbesondere sein
Boss. Denn die Krankenschwester Anna (Marie-Lou Selllem) findet durchaus Gefallen an ihrem
Schützling, was bei Daniel, frustriert von der Unerreichbarkeit Lucas, auf fruchtbaren
Boden fällt. Dass das Leben gerade in Beziehungssachen ausgesprochen kompliziert sein
kann und mit schmerzhaften Erfahrungen verbunden ist, muss er allerdings spätestens dann
feststellen, als Luca zurückkommt und er seine alten Gefühle der Zuneigung in keiner
Weise begraben hat; selbst sein bester Freund Dennis (Denis Moschitto) muss schmerzhaft
erfahren, dass Daniel in gewissen Bereichen plötzlich überhaupt keinen Spaß mehr
versteht, als er Luca auf ganz unverbindliche Weise für einen kurzen Moment zu Nahe
kommt, was die Freundschaft der beiden einem gewissen Härtetest unterzieht.
Kurz nach Beginn tritt uns die Hauptfigur des Films entgegen und gibt kund, dass er
soeben sein Abitur hinter sich gebracht habe, ohne allerdings schon die Wonnen der intimen
Begegnung mit dem anderen Geschlecht genossen zu haben. Diese Ausgangssituation dürfte
dem einen oder anderen Zuschauer wohl bekannt sein und auch das Wissen von den filmischen
Folgen dürfte bei einigermaßen regelmäßigem Filmkonsum fast schon unvermeidbar sein: Es
geht überwiegend darum, wie es schließlich doch zum ersten Sex kommt, sowie die
weitreichenden Komplikationen, welche mit dem Thema sonst noch verbunden sind. Dabei ist
das Genre gemeinhin jenes der Komödie und die Tendenz geht dahin, dass sich die
Verantwortlichen hinter der Kamera gegenseitig bei der Schöpfung immer neuer
Unappetitlichkeiten zu übertrumpfen versuchen.
Dass es auch ganz anders geht, beweist "Nichts bereuen" mit einer Story, die
gefühlvoll Drama mit ein wenig Humor versetzt (was nicht zuletzt damit zu tun hat, dass
die Liebe mit all ihren Komplikationen weit mehr im Mittelpunkt steht, als der direkte
Körperkontakt) und sich im übrigen in Hinblick auf die Sache mit dem Sex wesentlich
unverklemmter als seine scheinbar so freizügigen Kollegen aus der Fäkalabteilung gibt.
Das Ganze kommt daher im Gewand einer unabhängigen, dass heißt "kleinen"
Produktion mit rau-natürlichem, statt im durchgestylten Glanzlook.
Und damit ist der Film auch schon mittendrin in einem der gnadenlosesten Kampfgeschehen
auf dem aktuellen Filmmarkt. Denn auch wenn sich der deutsche Film inzwischen ganz langsam
und von diversen Rückschlägen begleitet von einem Image löst, das 90 Prozent der
potentiellen Zuschauer beim Stichwort "deutsch" nur "Pfui, nein danke"
denken lässt (mit entsprechend desaströsen Einspielergebnissen), dürfen auf eine
wohlwollendere Einstellung der Mehrheitsmeinung gemeinhin nur jene Produkte hoffen, die von
vornherein alle Attribute erfolgsorientierter Mainstreamware mit sich bringen (wobei dies
erfreulicherweise ganz und gar nicht bedeutet, dass deswegen die Qualität leidet, im
Gegenteil), während kleinere Filme stets im Verdacht stehen, nur unnötig anstrengende,
in endloser Selbstbespiegelung gefangene Anti-Unterhaltung zu bieten.
Gerade deshalb kann nicht zu wenig betont werden, dass zumindest auf "Nichts
bereuen" diese Einschätzung in keiner Weise zutrifft. Denn er hat alles, was
großartiges Entertainment ausmacht: Große Gefühle, ein abwechslungsreiches Drehbuch,
lebendige Figuren und stimmungsvolle Bilder. Dazu eine Besetzung, die auch für die
Zukunft der einheimischen Filmindustrie noch hoffen lässt. Hauptdarsteller Daniel Brühl
zeigt das seltene Talent, aus einer auf den ersten Blick scheinbar vor
Durchschnittlichkeit nur so zu strotzenden Figur ein Maximum an facettenreicher Charakterisierung
heraus zu holen. Jessica Schwarz beweist, dass der Job als
VIVA-Moderatorin anscheinend tatsächlich ein Garant für Schauspieltalent ist und füllt
die Rolle der herben Schönheit, die "trotzdem so nett ist, wie sonst nur dicke
Mädchen" perfekt aus. In den Schatten gestellt werden die beiden Nachwuchsmimen
allerdings noch von Marie-Lou Sellem, deren Figur eigentlich gar nicht so im Mittelpunkt
steht, die aber jeden Moment den ihr das Drehbuch gönnt dazu nutzt eine wirklich
ungeheure Gefühlspräsenz in einer unglaublich zurückhaltenden und behutsamen Weise
auszudrücken, die jeden ihrer Auftritte zu einem fast schon magischen Ereignis macht.
"Nichts bereuen" ist aber auch nicht vollkommen frei von gewissen
Schwachpunkten, wobei der Film natürlich darunter leidet, dass bei einem an sich
überdurchschnittlich guten Werk selbst kleine Mängel viel deutlicher auffallen, als bei
einem Produkt, das von Anfang an in die Trash-Ecke tendiert. So stolpern die meist
erfrischend lebensnahen Dialoge immer wieder einmal über Formulierungen, die arg
gekünstelt wirken und die eine oder andere Wendung der Geschichte weist eine gewisse
Gezwungenheit auf, die sogar mal die Grenzen des Klischees berühren kann, wenn auch
wirklich nur hauchzart. Am auffälligsten ist allerdings, dass es das Buch bei der Zeichnung
seiner Hauptperson Daniel in Hinblick auf eine Gestaltung mit Ecken und Kanten insofern
etwas übertrieben hat, als der gute Junge eine gute Portion Arroganz aus Unreife zu viel
abbekommen hat, was ihn nicht gerade zum idealen Sympathieträger macht.
Bild      
Da der Regisseur aus künstlerischen und budgetabhängigen Gründen einen sehr
"naturnahen" Look gewählt hat, überwiegend unter Einsatz einer Handkamera,
zeigt sich das Bild entsprechend angepasst. Durchweg kühle Farben, etwas grobkörniger
als gewohnt und mit dem Mut zu der einen oder anderen Unschärfe, kommt das der
Atmosphäre der Geschichte allerdings auch ungemein entgegen. Daneben gibt es jedoch, zum
Beispiel in Form stehender Rauschmuster, auch einmal DVD-typische, d.h. echte Schwächen,
ohne dass sich dies jedoch auf den Gesamteindruck wesentlich negativ auswirkt.
Ton      
Lange Zeit machen sich die Vorteile des digitalen Mehrkanaltons nur insofern bemerkbar,
als das akustische Geschehen in bemerkenswert ausgewogener Dynamik und präziser Harmonie
zwischen der stimmungsfördernden Musik und der natürlichen Sprachwiedergabe auftritt,
während allerdings die hinteren Kanäle vollständig außen vor bleiben. Dann jedoch gibt
es zwar wenige, aber prägnante Momente, in denen der gesamte Raum optimal einbezogen
wird, wobei sogar direktionale Effekte zum Einsatz kommen.
Special Features      
Einmal mehr fällt auf, wie sich gerade kleine, unabhängige Filme in Hinblick auf die
Qualität des Bonus-Materials erfreulich positiv von Großproduktionen absetzen kann,
wobei noch nicht einmal eine (kostentreibende) Zusatz-DVD benötigt wird. Statt
lautstarkem (und überaus nervigem) Promotions-Getöse liegt hier der Schwerpunkt
eindeutig auf engagierter Information.
Zunächst sind da die beiden Audio-Kommentare zu nennen, der eine von Regisseur Benjamin
Quabeck und Kameramann David Schultz, der andere von den Hauptdarstellern, Daniel Brühl
und Jessica Schwarz. Beiden Kommentaren ist gemeinsam, dass sie vielleicht nicht zu den
flüssigsten ihrer Art gehören, aber ein gehöriges Maß an sinnvollen Hintergrundinformationen
anzubieten haben, was vor allem für den Kommentar von Regisseur und Kameramann gilt.
Auch die beiden Produzenten bekommen Gelegenheit, sich zu der Arbeit am Film zu äußern,
in einem Kommentar, der Wahlweise während des 27minütigem "Making Of"
abgespielt werden kann. Selbiges erweist sich als erfreulich frei von dem üblichen
bla-bla, ist aber aufgrund eines "handgemachten" Anstrichs manchmal etwas
gewöhnungsbedürftig.
Die Interviews mit den Mitwirkenden sind zum einen angenehm ausführlich geraten,
außerdem wird auf die Verhackstückung durch Zwischentitel o.ä. verzichtet, was das Zusehen
wesentlich komfortabler macht.
Außerdem darf der skurrile Puppentrick-Kurzfilm "Höhlenangst" betrachtet
werden, der allerdings nicht zwingend jedermanns Geschmack treffen wird.
Abgerundet wird das Ganze mit zwei Trailern, biografischen Daten, dem Musikvideo zu
"3 Wünsche" von Lee Buddah und eienr Fotogalerie.
10.08.2002
Review von Tobias Wrany
Test-Equipment
TV: Panasonic TX-28PK1F
DVD-Player: Pioneer DV-343
Dolby Digital / DTS Receiver: Sony STR-DA50ES
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