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City Of God (Cidade de Deus)
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Kauf-VÖ: 20.11.2003 |
Studio |
Globo Filmes (2002) |
Verleih |
Highlight (2003) |
Laufzeit |
124:23 min. (FSK 16) |
Regie |
Katia Lund, Fernando Meirelles |
Darsteller |
Alexandre Rodrigues, Ze Pequeno |
DVD-Typ |
DVD-9 |
Fernsehnorm |
PAL |
Bildformat |
1,85:1 (anamorph) |
Audiokanäle |
1. Deutsch, Dolby Digital 5.1
2. Deutsch, DTS 5.1
3. Portugiesisch, Dolby Digital 5.1 |
Untertitel |
deutsch |
Regionalcode |
2 |
Verpackung |
Amaray-Case |
Film      
Buscape (Alexandre Rodrigues) wächst abseits der für die steten Touristenströme
nobel herausgeputzten Sonnenseite von Rio de Janeiro in einem Stadtviertel auf, das sich
in krassem Gegensatz zu seinem Ruf und seinen Aussichten den hoffnungsfrohen Namen
"Cidade de Deus", Stadt Gottes gegeben hat. Von einer einfachen
Barackensiedlung, in welche die Landlosen und sonstigen unerwünschten Elemente der
Großstadt abgeschoben wurden, wächst sich das Viertel bald zu einem eigenen Stadtteil
aus, der sich allerdings was seine Armut und seine soziale Perspektive angeht kaum von
seinem Urzustand entfernt hat. Gleich geblieben ist insbesondere der übermächtige
Einfluss, den diverse Gangsterbanden zu ihrem eigenen Nutzen in gnadenloser Brutalität in
allen Lebensbereichen ausüben. Im Gegensatz zu seinem großen Bruder und vielen seiner
Altergenossen, bleibt Buscape allerdings immer am Rande des kriminellen Geschehens, selbst
als ihn einmal akuter Geldmangel und der ungerechtfertigte Verlust seiner ohnehin
miserabel bezahlten Strelle als Aushilfe in einem Supermarkt auf die schiefe Bahn zu
drängen drohen, scheitert er an seinen kümmerlich ausgefallenen kriminellen
Antriebskräften. Damit ist er das genaue Gegenteil von "Locke", der schon als
kleines Kind, damals noch unter dem Rufnamen "Löckchen" sein erstes Blutbad
anrichtete und dabei seine Lust am Töten entdeckte. Diese Leidenschaft für die
Herrschaft über die Existenz seiner Mitmenschen erweist sich als ausgesprochen fördernd
bei seinem unaufhaltsamen Aufstieg an die Spitze der lokalen Gangsterhierarchie, da er
sämtliche Konkurrenten, ebenso systematisch, wie rücksichtslos aus dem Weg räumt. Immer
wieder kreuzen sich dabei seine Wege mit denen von Buscape, der zu einer Art Chronist der
Vorgänge in seinem Viertel wird, zunächst nur für seine eigene Erinnerung, dann aber
auch vermittelt über eine Kamera für eine breitere Öffentlichkeit, als er nach einigen
Jahren seinem Lebensziel, der Tätigkeit als professioneller Fotograf schon ein gutes
Stück näher gekommen ist.
Über das Leben von kriminellen Jugendlichen auf den Straßen von Rio de Janeiros
ärmsten Vierteln dürfte sich hierzulande wohl kaum jemand allzu rosige Illusionen
machen. Trotzdem ist es immer noch ein Unterschied, das ganze Elend nur gedanklich zu
erfassen oder in großen, rasanten Bildern auf dem Bildschirm oder der Kino-Leinwand
vorgesetzt zu bekommen. Besonders, wenn es auf eine Art und Weise, wie bei "City Of
God" geschieht, einem Film mit länger nachwirkender Eindringlichkeit. Und das
ungeachtet der Tatsache, dass es sich ja eigentlich "nur" um einen Spielfilm,
dass heißt ein fiktionales Werk handelt. Trotzdem, der erleichterte "nur als
ob"-Effekt, basierend auf der zumindest unbewusst permanent mitschwingenden
Gewissheit, dass alles nur gespielt, das Blut nur künstlich (wenn nicht gar Ketchup) und
die dargestellten Personen nur bezahlte Akteure seien, bleibt weitgehend aus. Und das
liegt nicht nur daran, dass die Macher hinter der Kamera im Ringen um größtmögliche
Authentizität nicht nur vor Ort, sondern auch mit straßenerfahrenen Laien drehten;
sondern zu einem erheblichen, wenn nicht gar überwiegenden Teil an einer dynamischen,
ohne Rücksicht auf Verluste ins abgründige Leben eintauchenden Inszenierung, deren
Ästhetik sicherlich aus der Familie der Video-Clips entspringt, aber im Gegensatz zu
großen Hollywood-Produktionen daraus eine eigene Bildsprache ableitet, der rein gar
nichts von modischem Schnickschnack anhaftet, wie so manchem Hochglanzprodukt. Dabei
gelingt sogar die Kombination aus "dokumentarischen" Wackelkamerabildern,
farbsatten Darstellungen à la Michael Bay und unterkühlten Frabreduktionen in seltener
Harmonie.
Die große Stärke des Films, seine "Echtheit", was das Geschehen angeht führt
allerdings auch zu seiner einzigen leichten Schwäche. Letztlich beginnen sich die Szenen
von Armut und Gewalt zu wiederholen, wobei gerade letzterer der überwiegende Raum
eingeräumt wird, wohingegen dem alltäglichen (Über)leben der "normalen",
nichtkriminellen Bevölkerung, die doch letztlich sowohl die niederdrückenden
Verhältnisse, als auch die Gewalttätigkeit auf den Straßen auszubaden hat, kaum
erzählerischer Raum gelassen wird. Dies ergibt einen ungemein authentischen Eindruck vom
unentrinnbaren Zirkel von Gewalt und Gegengewalt, dessen stete Erneuerung im Bild der
allenfalls achtjährigen Nachwuchskiller, die nur allzu bereitwillig die Nachfolge der
toten Altgangster antreten, einen deprimierenden Ausdruck gefunden hat. Aber auf Dauer
droht das Geschehen doch eher abzustumpfen, da die dargestellten Personen in Sachen
Mitfühlen und Mitdenken ihrer inneren Antriebskräfte auf sicherer Distanz bleiben.
"City Of God" bleibt so ein sehenswertes, sehr gewalttätiges, aber den Akt des
Tötens alles andere als glorifizierendes Werk, das vielleicht weniger zum Nachdenken
anregt, als es seine Macher gewünscht haben, aber eine bemerkenswerte Alternative zur
gewohnten Kinokost darstellt.
Bild      
"City Of God" gehört zu den DVDs deren Bildqualität nicht unabhängig vom
künstlerischen Ansatz der Inszenierung gesehen werden kann. Während bei anderen Filmen
ausgewaschene Farben, grobkörnige Anwandlungen und unnatürliche Kontrastdarstellungen zu
einem klaren Verweis in die Büßerecke führen, dürfen derartige Vorkommnisse hier als
Beitrag zu einem alles in allem durchaus gelungenem Gesamtkonzept gewertet werden.
Trotzdem bleiben immer noch ein paar unerwünschte Nachzieheffekte bestehen, sowie
gelegentliche Schwächen bei der Schärfe.
Ton      
In bestimmten Szenen kommt das gesamte Kanalspektrum eindrucksvoll zum Einsatz,
einschließlich sauber eingefügter direktionaler Effekte und einem bemerkenswerten
Bassumfang. Allerdings handelt es sich dabei fast ausschließlich um diverse
Schießereien. Im übrigen beschränkt sich das akustische Geschehen überwiegend auf die
vorderen Kanäle, besonders den Center und bleibt damit eine gewisse Räumlichkeit
schuldig, wobei allerdings anzumerken ist, dass wenn dann doch einmal subtilere
Umgebungsgeräusche ins Geschehen einbezogen werden, dies mit einer ausgemachten
Präzision bei der Verortung geschieht.
Special Features      
Die getestete Miet-Fassung umfasste nur eine DVD, welche keinerlei Extras aufweist. Die für den November geplante Kauf-DVD wird hingegen eine Bonus-Disc mit einigen Extras enthalten.
08.10.2003
Review von Tobias Wrany
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